Alte Geschichte Ägyptens : Neues Reich (1550-1069 v. Chr.) : Amarna-Periode
|
Fotografien Ägypten |
Innerhalb des Neuen Reiches sticht der nach der Residenz Echnatons Amarna-Periode benannte Zeitabschnitt ab. Amenophis III. (1388-1351 v. Chr.) verlegte an seinem Sed-Fest, dem Fest zum 30-jährigen Thronjubiläum (1358 v. Chr.), den Regierungssitz weit nach Süden, auf das Theben gegenüber liegende Westufer des Nils (Theben-West). Der Umzug der Hauptstadt eröffnete zugleich eine theologische Revolution, die unter Amenophis’ III. Sohn und Nachfolger, Amenophis IV. (1351-1334 v. Chr.), ihren Höhepunkt erreichte: In radikaler Abkehr von der traditionellen Theologie vollzog Gott Aton, der die Sonnenscheibe personifizierte und sich mit dem König vereinigte, seinen Lauf am Himmel ohne die Begleitung anderer Götter. Das besondere Hervortreten Atons mit bereits henotheistischer (einen aus einer Vielzahl von Göttern bevorzugenden) Tendenz schmälerte den bisherigen Rang Amuns als Reichsgott und lieferte den Zündstoff für Konflikte mit den thebanischen Eliten, vor allem der Amun-Priesterschaft von Karnak. Zudem stützte sich der König allein auf den aus Memphis mitgebrachten Hofstaat: die königliche Familie und die Hofbeamten. |
Aber erst Amenophis IV. vollzog konsequent den Bruch mit der Tradition: Er verlegte erneut die Residenz, diesmal nach Amarna (in der Antike: Achetaton) in Mittelägypten, und leitete den Übergang zu einem echten Monotheismus ein. Er nahm den Namen Echnaton („dem Aton gefällig”) an, tilgte aus allen Inschriften den Namen Amuns, verbot dessen Kult – nicht aber die Tempelorganisation – in Karnak und führte einen dynastischen Kult ein. Als möglicher Grund für die „erste Religionsstiftung in der Geschichte” (Jan Assmann) durch Echnaton wird angenommen, dass er auf diese Weise die Gefahr ausräumen wollte, die von der mächtigen Amun-Priesterschaft für das Königtum ausging. Die neue Religion reflektierte darüber hinaus ein neues Weltbild, das Ägypten nicht mehr als isolierten Mittelpunkt der Welt, sondern eingebettet in ein weiträumiges Staatensystem begriff. |
So rasch und radikal wie ihr Aufstieg erfolgte der Fall der Amarna-Theologie Echnatons. Bereits in seinen späteren Regierungsjahren nahm der Pharao, möglicherweise wegen außenpolitischer Probleme, einige seiner Reformen zurück. Nach seinem Tod schlug das Pendel dann zurück: Amun wurde rehabilitiert, die Hauptstadt Amarna aufgegeben, die alten Eliten aus Priesterschaft und Militär kehrten in ihre angestammten Machtpositionen zurück. |
Mit dem Ende des Neuen Reiches brach die Strukturgrenze zwischen Ober- und Unterägypten wieder durch. Die erneute Trennung zwischen den Reichsteilen trug der Unmöglichkeit Rechnung, ganz Ägypten weiterhin von einer Residenz aus zu regieren, weil die Infrastruktur des Landes in der turbulenten Schlussphase des Neuen Reiches zerfallen war. Zentrum Oberägyptens blieb Theben, wo sich Herihor (ca. 1069-1062 v. Chr.) von der 20. Dynastie losgesagt und – zugleich König, Hohepriester, Wesir und General – alle Herrschaftsfunktionen auf sich konzentriert hatte. In Tanis, dem Zentrum des Nildeltas, gelangte mit Smendes (1069-1043 v. Chr.) ebenfalls eine neue Dynastie, die 21., an die Macht. Beiden Zentren, Theben wie Tanis, war gemeinsam, dass sie ihrerseits in eine Fülle kleiner Fürstentümer zerfielen. Beide koexistierten mit durchweg friedlichen Beziehungen. Die dezentrale Struktur setzte sich unter der (22.) libyschen Dynastie (945-736 v. Chr.) fort. Sie leitete sich von ägyptisierten libyschen Söldnern her, die in der Ramessidenzeit in ägyptische Dienste getreten waren. |
|
Necho II |
"Ägypten," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
![]() Benutzerdefinierte Suche
|