Fotografien
Geschichte von Russland : Die Ära Katharinas der Großen (1682-1825)
Fotografien Russland

Die Ehefrau und Nachfolgerin Peters III., die als Katharina II. (1761-1796) den Thron bestieg, erhob den aufgeklärten Absolutismus zum Regierungsprogramm.

Vom Rationalismus und Vernunftglauben der Aufklärung inspiriert, korrespondierte die Kaiserin, von der europäischen Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt, mit zahlreichen Geistesgrößen ihrer Zeit, darunter Voltaire, und orientierte sich an der französischen Kultur sowie zeitweise auch an den fortschrittlichen Ideen französischer Autoren, etwa Montesquieus. Einer neu einberufenen Gesetzgebenden Kommission (1767/68), in der nichtadlige Vertreter sogar in der Mehrheit waren, legte sie die „Große Instruktion” (Nakas), einen Reformentwurf für Gesetzgebung und Verwaltung, vor; die zentralen Fragen der inneren Ordnung standen allerdings zu keinem Zeitpunkt zur Debatte.

Zwar straffte die Kaiserin die zentrale Regierungsarbeit auf Kosten der von Peter dem Großen eingerichteten adligen Kollegien und suchte die einzelnen Stände auf lokaler Ebene zur Mitwirkung an der Verwaltung heranzuziehen (Gouvernements-, Kreis- und Städtereform 1775/1785). Aber die staatstragende Rolle des Adels und seine Privilegien, die im „Gnadenbrief für den Adel” von 1785 zusammengefasst wurden, wie auch die kaiserliche Autokratie wurden zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt.

Der Ansiedlung serbischer und deutscher Bauern (Wolgadeutsche) in den neu gewonnenen Gebieten, Reformen des Gesundheits- und Schulwesens, der Beseitigung von Handelshemmnissen und der Förderung der Unternehmertätigkeit standen eine weitere Verschärfung der Leibeigenschaft und die Beseitigung der Kosakenautonomie in der Ukraine gegenüber.

Die Unzufriedenheit entlud sich 1773 in einem blutigen Aufstand von Kosaken, Bauern und verschiedenen nichtrussischen Völkern. Der Volksaufstand, angeführt von dem Donkosaken Jemeljan Pugatschow, erfasste weite Teile Russlands, wurde jedoch 1774 niedergeschlagen. Der Bauernzar – Pugatschow hatte sich als der ermordete Peter III. ausgegeben – in Moskau hingerichtet.

Außenpolitisch agierte Katharina II. mit großem Erfolg; ihre Unternehmungen brachten Russland erhebliche Gebietsgewinne. Zunächst wandte sich Russland gegen das Osmanische Reich: Im 3. Russisch-Türkischen Krieg (1768-1774) drang die russische Armee bis nach Bukarest vor und besetzte die Halbinsel Krim (1771, endgültig russischer Besitz 1783); und die von der Ostsee ins Mittelmeer gesegelten Kriegsschiffe vernichteten 1770 die osmanische Kriegsflotte im Hafen von Çeşme an der kleinasiatischen Westküste.

Nach dem 4. Russisch-Türkischen Krieg (1787-1792) beherrschte das Zarenreich die nördliche Schwarzmeerküste vom Dnjestr im Westen bis zum Kaukasus im Osten. Auch erhielten russische Handelsschiffe das Recht, ungehindert auf dem Schwarzen Meer zu verkehren sowie durch Bosporus und Dardanellen ins östliche Mittelmeer zu segeln. Die Frage der Kontrolle der Meerengen und der Anspruch, Schutzmacht der orthodoxen Christen zu sein, ließ Russland die Zukunft des Osmanischen Reiches in entscheidendem Maße mitgestalten; die orientalische Frage wurde damit zum Dreh- und Angelpunkt russischer Großmachtpolitik. Gleichzeitig beteiligte sich Katharina an der Zerschlagung der von inneren Kämpfen zerrissenen polnischen Adelsrepublik. Die drei Polnischen Teilungen (1772, 1793, 1795) brachten Russland einen gewaltigen Gebietszuwachs im Westen mit rund sechs Millionen Einwohnern: Kurland, Samogitien (heute Lettland), Litauen, Weißrussland, die westliche Ukraine, Podolien, Wolhynien und den Ostteil Polens bis zum (westlichen) Bug.

"Russland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

Katharina II
Katharina II
Benutzerdefinierte Suche