Bildung und Schulwesen in Schottland
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Fotografien Schottland |
Die Clans, die die traditionelle Basis der schottischen Gesellschaft bilden, besitzen heute im Gegensatz zu früher keine Macht mehr. Ursprünglich spielten die Clans, die sich aus allen Angehörigen einer Familie mit einem Clanoberhaupt oder Gutsherrn zusammensetzten, auch als Kampfeinheit eine bedeutende Rolle. Im Lauf der Zeit weitete sich das Solidaritätsempfinden, das früher ein wichtiger Bestandteil der jeweiligen Clanzugehörigkeit war, zu einem ausgeprägten Nationalbewusstsein und -stolz aus. Der Puritanismus, der von den schottischen Presbyterianern kultiviert wurde und auf John Knox, einen religiösen Reformator und Staatsmann des 16. Jahrhunderts, zurückzuführen ist, hat auch heute noch in einigen Landesteilen Schottlands großen Einfluss. Beliebte und typisch schottische Sportarten sind u. a. Curling (vergleichbar mit Eisstockschießen) und Golf. |
In Schottland wird die Verwaltung von Schulen von der schottischen Kultusbehörde (Scottish Education Department) und von regionalen Schulbehörden, so genannten LEAs (Local Education Authorities), geregelt. Das schottische Bildungswesen ist von dem System in England und Wales unabhängig und anders strukturiert. Schon immer hatte Bildung einen hohen Stellenwert in Schottland, und die Anzahl der Bildungsinstitutionen, deren Besuch den Schülern freigestellt war, stieg im 19. Jahrhundert sprunghaft an. Im Jahr 1872 ging die Verantwortlichkeit für die Vermittlung von Lehrinhalten von den Kirchen auf gewählte Schulaufsichtsräte über, die Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 13 Jahren den Schulbesuch ermöglichten. Schon 1901 (17 Jahre vor England und Wales) wurde in Schottland die Schulpflicht um ein Jahr verlängert, so dass die Schulabgänger 14 Jahre alt waren. |
1918 ersetzte man die traditionellen Schulaufsichtsräte durch regionale Schulbehörden. Ferner wurde fortan die Einrichtung von Sekundarschulen obligatorisch. Das schottische Bildungsgesetz von 1945 enthielt die gleichen Bestimmungen wie die im Jahr 1944 erlassenen englischen und walisischen Gesetze (siehe Großbritannien: Bildungswesen), zog jedoch weitaus weniger Veränderungen nach sich, da in Schottland viele der wichtigsten Neuerungen bereits durchgeführt worden waren. Das Mindestalter für Schulabgänger wurde 1947 auf 15, 1972/73 auf 16 Jahre angehoben. |
Die gravierendsten Veränderungen des schottischen Bildungswesens wurden jedoch durch das Gesetz zur Bildungsreform von der Regierung der Konservativen im Jahr 1988 herbeigeführt und bedeuteten gleichzeitig auch für den Rest des Vereinigten Königreiches die wichtigste Reform seit 1945. Dieses neue Gesetz schränkte die Befugnisse der regionalen Schulbehörden drastisch ein, gestand einzelnen Schulen die Verfügungsgewalt über ihre Jahresetats zu und ermöglichte den Schulen, per Antrag aus dem Kontrollsystem der LEAs auszuscheiden und den Status staatlich direkt subventionierter Schulen (GM-Status) zu erhalten. Alle staatlichen Schulen in England, Wales und Schottland können den so genannten GM-Status (GM: grant-maintained) erlangen, wenn die Erziehungsberechtigten der |
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Ein schottischer Schriftsteller. Bild E. Buchot |
Schüler sich in einer Wahl für diesen Antrag aussprechen und der Erziehungsminister dem Antrag der Schule zustimmt. Schulen mit GM-Status sind in ihrer Verwaltung vollkommen autonom und von den regionalen Schulbehörden vollkommen unabhängig, da sie ihre Mittel direkt vom Staat erhalten. |
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Schottland verfügt über kein bindendes nationales Curriculum, wie es im übrigen Vereinigten Königreich Ende der achtziger Jahre eingeführt wurde. Man hat sich dennoch um eine Vereinheitlichung und Abstimmung der Lehrplaninhalte bemüht. In den Fächern Englisch und Mathematik wurden landeseinheitliche Prüfungen eingeführt, in denen das Wissen der Schüler geprüft wird. An Sekundarschulen nehmen am Ende des vierten Schuljahres die Schüler im Alter von 16 Jahren an den Prüfungen für das reguläre Schottische Bildungszertifikat (Scottish Certificate of Education [SCE] Standard Grade) teil und erhalten so einen mit dem Realschulabschluss vergleichbaren Schulabschluss. Die Prüfungen für die höheren Bildungsabschlüsse (Scottish Certificate of Education [SCE] Higher Grade) können im fünften und |
Schottische Architektur. Bild E. Buchot |
sechsten Jahr des Besuchs einer Sekundarschule abgelegt werden. Schottland verfügt über etwa 66 weiterführende Bildungsinstitute, zu denen alle Schulabsolventen Zugang haben, die keine Universität besuchen. Zu den weiterführenden Bildungsinstituten gehören landwirtschaftliche Hochschulen, Kunst- und Handelsschulen sowie wissenschaftlich orientierte Institutionen. Über 80 000 Studenten sind an solchen Einrichtungen eingeschrieben. Außerdem stehen sieben Lehrerseminare mit etwa 3 000 immatrikulierten Studenten zur Verfügung. In Schottland gibt es zwölf Universitäten, von denen insgesamt vier im Jahr 1992 aus ehemaligen polytechnischen Hochschulen entstanden. Die Universität Aberdeen, die Universität Edinburgh, die Universität Glasgow und die Universität Saint Andrews sind die ältesten Universitäten Schottlands und wurden bereits im 15. und 16. Jahrhundert gegründet. Vier weitere, nämlich Heriot-Watt in Edinburgh sowie die Universitäten Dundee, Stirling und Strathclyde in Glasgow entstanden zwischen 1960 und 1990. Etwa 90 000 Studenten sind an den schottischen Universitäten eingeschrieben. "Schottland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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