Geschichte von Russland : Blütezeit des Reiches (1682-1825)
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Fotografien Russland |
Nach Fjodors Tod im Jahr 1682 wurde sein Halbbruder Peter I., später der Große genannt, zum Zaren proklamiert. Peters ältere Halbschwester, Sophia Alexejewna (1657-1704), gelang es jedoch mit Hilfe der Strelitzen, ihren eigenen Bruder, den geisteskranken Iwan V. (1666-1696), zum Mit-Zaren ernennen zu lassen und sich selbst zur Regentin. Nach fehlgeschlagenen Versuchen, Peter um seine Thronrechte zu bringen bzw. ganz zu beseitigen, wurde sie 1689 von Peter I., nachdem er die Volljährigkeit erreicht hatte, zum Machtverzicht gezwungen. Mit der Übernahme der Regierung durch Peter I. trat Russland mit Macht in die europäische Politik ein. Peters großes Reformwerk veränderte Russland grundlegend und brachte das Zarenreich dem Westen näher. |
Peter, der schon als Jugendlicher in regem gesellschaftlichen Kontakt mit in Russland lebenden Ausländern stand, war sehr angetan von westeuropäischer Kultur und Technik, und schon früh wurde seine Leidenschaft für die Seefahrt geweckt. 1697 unternahm er als erster Zar eine Auslandsreise, die ihn nach Preußen, Holland, England und Österreich führte. |
Während dieser 18-monatigen Reise informierte er sich über den Stand von Wissenschaft und Technik, Architektur und Kunst im Westen. Nach seiner Rückkehr versuchte er, Staat, Kirche und Gesellschaft nach westlichem Muster radikal zu verändern. Sichtbare Zeichen der Neuerungswelle war die Pflicht, am Hof europäische Kleidung zu tragen, das Stutzen der Bojarenbärte und die Einführung des julianischen Kalenders mit der Verlegung des Jahresanfangs vom 1. September auf den 1. Januar. 1703 öffnete Peter mit der Gründung von Sankt Petersburg das Fenster nach Europa. 1712 wurde es zur neuen Hauptstadt erhoben, und 1714 zogen Hof und Regierung von Moskau an die Newa um. |
Mit Hilfe zahlreicher ausländischer Fachleute schuf Peter eine machtvolle russische Ostseeflotte und ein stehendes Heer mit Berufssoldaten (Zwangsaushebungen ab 1705) – die Strelitzentruppe wurde nach einem Aufstand 1698 aufgelöst –, reorganisierte Verwaltung und Justiz (Schaffung von Fachkollegien, eines Regierenden Senats als oberstes Aufsichtsorgan und eines Systems von Finanzkontrolleuren, ab 1711). Die Kirche band er stärker an den Staat, indem er den Heiligsten dirigierenden Synod, eine geistliche Kollegialbehörde, an die Stelle des Patriarchen setzte (Geistliches Reglement 1721). Die byzantinische Konzeption des Zaren ersetzte er durch die lateinische (westliche) des Kaisers und nahm 1721 den Titel des allrussischen Imperators („Kaiser aller Reußen”) an. |
Peter förderte den Bergbau und die Metall verarbeitende Industrie (vor allem im Ural), den Handel und die Wissenschaften (Eröffnung der Akademie der Wissenschaften 1725) und kümmerte sich um eine Verbesserung der naturwissenschaftlich-technischen Ausbildung. Den Einfluss des Adels drängte Peter zurück, indem er diesen in größerem Maße in den Staats- und Militärdienst einband und zugleich ein neues Berufsbeamtentum aufbaute. Die Gewährung der Adelsprivilegien machte er von der Funktion abhängig und ermöglichte so auch Nichtadligen den Aufstieg in den Adelsstand. Ausdruck des neuen Leistungsprinzips war ein 14-stufiges hierarchisches System, die so genannte Rangtabelle (1722). Während Peter auf der einen Seite die wirtschaftliche Basis des grundbesitzenden Adels durch das Einerbengesetz (1714) – allerdings vergeblich – zu stärken suchte, belastete er mit der Einführung der Kopfsteuer (1718-1722) den Bauernstand in erhöhtem Maße. Die Rechtlosigkeit des Leibeigenen wurde zudem in gesetzliche Formen gegossen, die Arbeitsbelastung der Bauern (Frondienste, Einsatz als Fabrikbauern) stieg, so dass sich die soziale Kluft zwischen Privilegierten und Nichtprivilegierten weiter vertiefte. |
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Peter I., der Große |
Seine größten Militäroperationen unternahm Peter im Westen, nachdem er schon 1696 mit der Einnahme der Festung Asow am unteren Don einen prestigeträchtigen Erfolg gefeiert hatte; allerdings brachten die Feldzüge im Süden gegen die Osmanen (1695-1700) insgesamt keinen dauerhaften Erfolg. Im von Peter begonnenen 2. oder Großen Nordischen Krieg (1700-1721) kämpfte Russland im Bündnis mit dem vereinten Polen und Sachsen sowie Dänemark gegen Schweden, die stärkste Vormacht im Ostseeraum zu jener Zeit. Ziel war es, nicht nur einen dauerhaften Zugang zur Ostsee zu erreichen, sondern die Hegemonie im Baltikum zu gewinnen. Zwar wurden die russischen Truppen 1700 von den Schweden in der Schlacht bei Narwa schwer geschlagen, doch konnte Peter, da die Schweden von einer Verfolgung der Russen absahen, seine Armee neu formieren und in Livland und Ingermanland wieder den Kampf gegen die Schweden aufnehmen. |
1709 bezwang die russische Armee die Schweden in der Schlacht bei Poltawa. Damit gewann Russland die Herrschaft im Baltikum (Eroberung von Riga und Reval 1710); und durch den Frieden von Nystad (30. August 1721) kamen Livland, Estland, Ingermanland, ein Teil von Karelien sowie verschiedene Ostseeinseln (z. B. Ösel) formell in russischen Besitz. Russland war nun endgültig in den Kreis der europäischen Großmächte aufgestiegen. 1710/11 unternahm Peter den Pruth-Feldzug gegen die Osmanen, wurde jedoch geschlagen und musste Asow wieder preisgeben. Nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges aber eroberte Peter 1722/23 weite Teile des Kaukasus und umfangreiche Gebiete am Kaspischen Meer. |
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Peters strenger persönlicher Regentschaft, die viel Widerstand hervorrief, folgte eine Schwächeperiode, in der höfische Günstlinge das Heft in der Hand hielten. Peters willensschwacher Sohn Alexej war des Verrats angeklagt worden und starb 1718 im Gefängnis. Somit ging der Thron nach Peters Tod 1725 an dessen zweite Frau Katharina I. (1725-1727) über, die schon im Jahr zuvor zur Zarin gekrönt worden war. Ihr folgte Peter II. (1727-1730), der noch minderjährige Sohn Alexejs. Anna Iwanowna (1730-1740), Tochter von Peters Halbbruder Iwan V. und Herzogin von Kurland, überschwemmte den Hof mit ihren deutschen Favoriten, allen voran Ernst Johann von Biron, der ein despotisches Regime errichtete. Die nominelle Regierung des Säuglings Iwan VI. Antonowitsch (1740/41), eines Großneffen Annas, wurde durch eine Palastverschwörung beendet, die Elisabeth Petrowna, die jüngste Tochter Peters des Großen, |
Falconet: Reiterstandbild Peters des Großen |
auf den Kaiserthron brachte. Unter ihrer Herrschaft (1741-1762) kam es zu einer Wiederaufnahme der petrinischen Reformen unter nationalen Vorzeichen; die sozial und wirtschaftlich privilegierte Stellung des Adels festigte sich weiter. Elisabeth stiftete die Moskauer Universität (1755), an deren Gründung auch Russlands bedeutendster Universalgelehrter, Michail Lomonossow, mitwirkte, sowie die Akademie der Schönen Künste in Sankt Petersburg (1757). Als Teil des europäischen Mächtesystems (Pentarchie) beteiligte sich Russland am Polnischen Erbfolgekrieg (1733-1735); und im Krieg gegen Schweden (1741-1743) gewann es einen Teil Finnlands. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) stand Russland unter Elisabeth Petrowna zunächst aufseiten Österreichs und Frankreichs gegen Preußen, das nach russischen Vorstößen in schwere Bedrängnis geriet. Elisabeths holsteinischer Neffe und Nachfolger, Peter III., ein Bewunderer des preußischen Königs Friedrich II., schloss nach seinem Regierungsantritt 1762 einen Separatfrieden mit Preußen. Doch wurde der von Vorbehalten gegen alles Russische erfüllte Peter noch im selben Jahr gestürzt und ermordet. "Russland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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