Europa im 20. Jahrhundert : Europa zwischen den Weltkriegen
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Fotografien Europa |
Ende des 19. Jahrhunderts führte schließlich zunehmender Nationalismus zu einem radikalen Imperialismus; die weltpolitischen Gegensätze unter den europäischen Mächten verschärften sich, alte Rivalitäten wurden wieder virulent, wie etwa der deutsch-französische Gegensatz und der Konflikt auf dem Balkan, neue Rivalitäten entstanden, z. B. der deutsch-britische Flottenstreit; dazu wuchs in einem Klima des übersteigerten Nationalismus die Bereitschaft der Regierenden, ihre Konflikte militärisch auszutragen. All diese Faktoren sowie verschiedene Bündnisverpflichtungen zwischen den europäischen Mächten führten schließlich in den 1. Weltkrieg. Durch den 1. Weltkrieg hatte Europa seine Vormachtstellung in der Welt weitgehend eingebüßt und sah sich u. a. durch den Aufstieg der USA zur Weltmacht einer völlig veränderten außenpolitischen Konstellation gegenüber; das europäisch dominierte Staatensystem begann von einem globalen abgelöst zu werden. In Europa selbst hatte sich die politische Kräfteverteilung durch den Untergang des zaristischen Russland in der Oktoberrevolution 1917, den Zerfall des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn und die Entstehung neuer Staaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa ebenfalls verschoben; das Scheitern der monarchischen Systeme in Deutschland und Österreich im 1. Weltkrieg hatte zu deren Ablösung durch demokratisch-parlamentarische Verfassungen geführt. |
Die staatliche Neuordnung Europas nach dem 1. Weltkrieg durch die Pariser Vorortverträge verursachte in der Folge neue Spannungen. Die Siegermächte suchten über den Versailler Vertrag (z. B. durch Reparationsforderungen) Deutschland in relativer Machtlosigkeit zu halten; Deutschland dagegen strebte durch Verhandlungen und Bündnisse den Wiederaufstieg zur europäischen Großmacht an. Mit einer ganzen Reihe von internationalen – weltweiten (Völkerbund, Briand-Kellogg-Pakt) oder europäischen (Locarnopakt) – sowie bilateralen (Rapallo-Vertrag) Verträgen und Bündnissen versuchten die europäischen Regierungen und die USA in Reaktion auf die Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg in den zwanziger Jahren ein umfassendes System zur kollektiven Friedenssicherung zu schaffen. |
Gegen diese überstaatlichen Zusammenschlüsse wurden zunehmend Forderungen nach größerer nationaler Souveränität laut. Diese Forderungen verbanden sich in einigen europäischen Staaten mit bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts wirksamen rassistischen und nationalistischen Ideologien und ließen antiliberale und antidemokratische Bewegungen entstehen, die vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Dauerkrise in der Nachkriegszeit, besonders dann Ende der zwanziger Jahre zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, starken Zulauf fanden. |
In Deutschland bereiteten darüber hinaus vor allem drückende Reparationsforderungen, die Kriegsschuldfrage und die Dolchstoßlegende den Weg für den Aufstieg des Nationalsozialismus; in Italien hatte bereits 1922 Mussolini die Macht übernommen und ein faschistisches Regime errichtet, und bis Ende der dreißiger Jahre waren in zahlreichen ost- und südeuropäischen Staaten faschistische bzw. autoritäre Regierungsformen etabliert worden. Auf der Iberischen Halbinsel setzte sich durch den Spanischen Bürgerkrieg ein autoritäres Regime durch. Spätestens in den dreißiger Jahren erwiesen sich die überstaatlichen Bündnissysteme als untauglich für die Friedenssicherung. Einige Staaten entledigten sich durch Austritt aus den Bündnissystemen jeglicher Verpflichtungen (1933 trat Deutschland, 1937 Italien aus dem Völkerbund aus) und gingen bilaterale, gegen die Interessen der |
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Spanischer Bürgerkrieg |
internationalen Staatengemeinschaft gerichtete Verträge ein (Stahlpakt zwischen Deutschland und Italien 1939, Hitler-Stalin-Pakt 1939). |
Der Völkerbund war nicht in der Lage, die Einhaltung des Versailler Vertrags gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland durchzusetzen, und er war machtlos gegenüber Italiens Überfall auf Abessinien. Gegenüber der deutschen Revisions- und Expansionspolitik verfolgte der Völkerbund, vor allem England, einen Appeasement-Kurs, in der vergeblichen Hoffnung, durch ein Eingehen auf die deutschen Forderungen (Münchner Abkommen und Anschluss Österreichs 1939) Deutschland zufrieden zu stellen und so den Frieden sichern zu können; Hitlers aggressive, machtpolitisch und ideologisch motivierte Expansionspolitik (siehe Lebensraum) führte in den 2. Weltkrieg. Die supranationalen Institutionen und Mechanismen hatten versagt. Deutschlands Eroberungskrieg war der letzte gewaltsame Versuch, ganz Europa oder zumindest große Teile des Kontinents unter einer Herrschaft zu vereinen. "Europa," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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