Geschichte Europas : Erschütterung der alten Ordnung und Rückkehr zur alten Ordnung
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Fotografien Europa |
Europa wurde durch die Französische Revolution von 1789 nachhaltig erschüttert und geprägt. Beeinflusst von dem Gedankengut der Aufklärung und der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ersetzte sie unter den Schlagworten „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” die alte monarchisch-ständestaatliche Ordnung durch eine bürgerliche Gesellschaftsordnung, deren Grundlagen die Garantie der Menschenrechte, Demokratie und Liberalismus sowie nationale Selbstbestimmung waren. Mit den Kriegen der Französischen Revolution gelangten ihre Ideen nach beinahe ganz Europa, beunruhigten die Monarchen und inspirierten das liberale Bürgertum. Mit seinem Versuch, ganz Europa unter einer Herrschaft zu vereinen, setzte Napoleon kurzzeitig die alte europäische Staatenordnung außer Kraft, ebenso die alten ständischen Verfassungen, indem er mit dem Code Napoléon die Grundgedanken der Französischen Revolution in Europa zu etablieren suchte. Dieses neuerliche französische Hegemonialstreben scheiterte vor allem am Widerstand Englands und Russlands sowie am erwachenden Nationalbewusstsein der Deutschen (siehe Napoleonische Kriege, Befreiungskriege). Die kurzzeitige napoleonische Vorherrschaft in Europa bedeutete das Ende des Heiligen Römischen Reiches als Staatswesen. |
Der Wiener Kongress 1814/15 restaurierte das alte Mächtegleichgewicht in Europa und zementierte die alte monarchische Ordnung. Mit der Errichtung der Heiligen Allianz zwischen Russland, Österreich und Preußen spaltete sich allerdings die Pentarchie: Die drei Mächte der Allianz kehrten zu einer reaktionären Politik zurück, die weder die veränderten sozialen Verhältnisse, noch die liberalen Strömungen und die Nationalbewegungen berücksichtigte; Vorreiter dieses sozialkonservativen Kurses war der österreichische Staatskanzler Fürst von Metternich. Frankreich dagegen profitierte noch von den Errungenschaften der Revolution, und England, wo die industrielle Revolution bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eingesetzt hatte, ging mit Sozial- und Verfassungsreformen auf die neuen Anforderungen des Industriezeitalters ein und förderte zugleich liberale und nationale Bewegungen in Europa. |
Die Julirevolution von 1830 in Paris hatte erneut europaweite Wirkung: Sie verstärkte den Druck auf die europäischen Monarchen, die sich nach und nach zu verfassungsmäßigen Zugeständnissen gezwungen sahen. |
Europa zur Zeit Napoleons (1812) |
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Europa zur Zeit Napoleons (1812). Encarta |
Die beinahe europaweite Revolutionsbewegung von 1848, die ebenfalls von Frankreich ausgegangen war, brachte zwar Ansätze parlamentarischer Verfassungen, provozierte aber auch die antirevolutionäre Reaktion mancher Monarchen. Die Verfassungsfrage blieb am Ende ebenso ungelöst wie die besonders in Deutschland, im habsburgischen Vielvölkerreich und in Italien virulente nationale Frage. Neben der Verfassungs- und der nationalen Frage gewann im Lauf des 19. Jahrhunderts die soziale Frage entscheidendes Gewicht: Die im Vergleich zu Großbritannien mit einiger Verzögerung zu Beginn des Jahrhunderts auch auf dem Kontinent einsetzende Industrialisierung führte zu tief greifenden sozialen Veränderungen und zum Entstehen eines„vierten Standes”, des Arbeiterproletariats. Die Regierungen trugen diesen neuen sozialen Verhältnissen ebenso wenig Rechnung wie den bürgerlichen liberalen Bewegungen und vertieften so die Kluft zwischen Staat und Gesellschaft. Die politisch und sozial ausgegrenzten Arbeiter organisierten sich international und national in Arbeiterbewegungen und, wie zahlreiche andere gesellschaftliche Gruppierungen auch, mit zunehmender Demokratisierung und Parlamentarisierung der europäischen Staaten in Parteien. |
Neue Nationalstaaten |
Mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867, der 1870 vollendeten Einigung Italiens und mit der deutschen Reichsgründung 1871 war der Nationalstaatsgedanke zum Durchbruch gekommen. Die neue Staatenordnung in Europa brachte Reichskanzler Otto von Bismarck durch Bündnissysteme zur gegenseitigen Friedenssicherung in ein Gleichgewicht, das allerdings labil blieb und durch die Balkankrisen, die aus der Schwächung des Osmanischen Reiches und den südosteuropäischen Nationalbewegungen resultierten, gefährdet wurde. Der Berliner Kongress von 1878, an dem Vertreter der Pentarchie sowie des Osmanischen Reiches und Italiens teilnahmen, brachte für den Balkan eine territoriale Neuordnung und die Unabhängigkeit einiger neu entstandener Nationalstaaten vom Osmanischen Reich und drängte die Osmanen weitgehend aus Europa zurück. Die Konflikte auf dem Balkan wurden vorübergehend unterdrückt, aber nicht behoben; sie sollten 1912 in den Balkankriegen wieder ausbrechen und dann zum 1. Weltkrieg überleiten. 1878 hatte sich die Pentarchie noch einmal als europäische, friedenssichernde kollektive Hegemonialmacht bewiesen, wobei jeder der fünf Staaten auch eigene außenpolitische Ziele verfolgte. "Europa," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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