Fotografien
Geschichte Europas : Neuzeit
Fotografien Europa

Karl V. hatte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts noch einmal versucht, die mittelalterliche, universalistische Idee eines geeinten christlichen Abendlandes unter der Führung von Kaiser und Papst wieder zu beleben. Die Voraussetzungen schienen durchaus günstig: Karl herrschte als Kaiser nicht nur im Heiligen Römischen Reich, sondern er vereinte unter seiner Herrschaft auch das Spanische Reich inklusive seiner Besitzungen in Italien und in der Neuen Welt sowie das burgundische Erbe; zudem verfügte das Haus Habsburg über die österreichischen Erblande und Böhmen-Ungarn. Der spanische Besitz in der Neuen Welt eröffnete sogar die Möglichkeit, eine vom Abendland ausgehende christliche Weltherrschaft zu errichten. Karl scheiterte sowohl im Reich als auch in Europa: Der habsburgische Führungsanspruch in Europa provozierte dynastische Konflikte mit Frankreich; diese Konflikte wiederum verhinderten ein gemeinsames Vorgehen der beiden maßgeblichen christlichen Mächte – Habsburg und Frankreich – gegen die Osmanen, die vom Mittelmeer aus Südeuropa bedrohten und bereits den Balkan besetzt hatten. Die Verteidigung der abendländischen Christenheit gegen die Muslime scheiterte, zumal Frankreich das bislang unbestrittene Prinzip der Einheit der Christenheit machtpolitischen Erwägungen unterordnete und sich 1526/1536 mit den muslimischen Osmanen verbündete.

In Deutschland selbst und von Deutschland ausgehend, zerfiel in beinahe ganz Europa durch die Reformation die abendländische Christenheit in Katholiken, Protestanten und Calvinisten; Kaiser und Papst als die Führer und Schutzherren der Christenheit waren nicht mehr in der Lage, die Einheit der Kirche wiederherzustellen. Karls Scheitern angesichts der Reformation markierte das unwiderrufliche Ende des christlich-universalistischen Führungsanspruchs des Kaisertums.

Die konfessionellen Spannungen entluden sich zunehmend in Religionskriegen wie den Hugenottenkriegen (1562-1598) in Frankreich, die sich mit machtpolitischen Auseinandersetzungen verbanden und im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) europäische Ausmaße annahmen.

Kriege und Reformation, aber auch Einflüsse der Renaissance und des Humanismus hatten in den einzelnen europäischen Staaten sowie in Europa insgesamt tief greifende politische Wandlungen verursacht: Frankreich, Spanien, Portugal, England und die skandinavischen Reiche entwickelten sich zu zentralistisch ausgerichteten, von Fachbeamten verwalteten Staatswesen mit ständischen bzw. parlamentarischen Vertretungen, während die Mitte Europas – Deutschland, Italien – weiter in Partikularherrschaften zerfiel. Spanien wurde nach der Niederlage seiner Armada 1588 als führende Seemacht in Europa allmählich von England
Europa in der frühen Neuzeit
Europa in der frühen Neuzeit. Encarta
abgelöst; England selbst entfernte sich politisch und kirchlich vom europäischen Kontinent. Der Westfälische Friede von 1648 schrieb eine neue Staatenordnung in Europa fest: Das Heilige Römische Reich wurde durch seine Auflösung in beinahe souveräne Territorialstaaten endgültig zum Machtvakuum, Frankreich und Schweden wurden die neuen Vormächte im kontinentalen Europa. Zudem legte der Westfälische Friede die Gleichberechtigung der Konfessionen fest und schaltete damit religionspolitische Motive als Konfliktursache weitgehend aus. "Europa," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
Benutzerdefinierte Suche