Geschichte der Schweiz : Die Formierung der Eidgenossenschaft
|
Fotografien Schweiz |
In vorrömischer Zeit war das Gebiet der heutigen Schweiz im Westen von keltischen Helvetiern, die im späten 2. Jahrhundert v. Chr. von Süddeutschland her eingewandert waren, und im Osten von Rätern bewohnt. 58 v. Chr. besiegte Gaius Julius Caesar die Helveter; 15 v. Chr. wurde das Gebiet dem Römischen Reich angegliedert, der Westen als Teil der Provinz Gallien, der Osten als Teil der Provinz Rätien. Im 5. Jahrhundert n. Chr. wanderten Burgunder in den Westen und Alemannen in den Norden der heutigen Schweiz ein. Ab dem späten 5. Jahrhundert unterwarfen die Franken sukzessive Alemannen, Burgunder und Räter und gliederten sie in das Frankenreich ein. |
Parallel zur fränkischen Landnahme schritt die Christianisierung der Region voran; Klöster wurden gegründet, von denen einige – wie etwa Sankt Gallen und Reichenau – sich schnell zu bedeutenden Kulturzentren entwickelten. Als das Frankenreich im 9. Jahrhundert zerfiel, kam der Großteil des Gebiets der heutigen Schweiz als Teil des Herzogtums Schwaben zum werdenden Heiligen Römischen Reich, der Südwesten gehörte zum Königreich Burgund. 1033 fiel Burgund auf dem Erbweg an den Kaiser Konrad II. und wurde so mit dem Heiligen Römischen Reich verbunden. Wie nahezu überall im Reich bildeten sich auch im schweizerischen Gebiet zahlreiche kleinere weltliche und geistliche Herrschaften heraus, wie etwa die der Zähringer, die Bistümer Chur, Konstanz, Genf etc., die Klöster Sankt Gallen und Einsiedeln. |
1218 starben die Zähringer in der Hauptlinie aus, 1268 die Herzöge von Schwaben, die Staufer, nachdem sie bereits in den Jahren zuvor einen Großteil ihrer Macht und ihres Einflusses im Südwesten des Reiches verloren hatten. Im Westen der heutigen Schweiz etablierten sich nun die Habsburger als Vormacht, im Osten die Grafen von Savoyen; daneben existierte weiterhin eine Reihe kleinerer Territorialherrschaften, und es bildeten und verfestigten sich nun auch verschiedene Städte- und Tälerbündnisse – dies vor allem in Abwehr der von König Rudolf I. eingeleiteten Versuche der Habsburger, ihr Territorium in der Schweiz zu arrondieren und hier eine straffe Verwaltung zu schaffen. 1291 schlossen sich die drei Urkantone Uri, Schwyz – beide waren 1231 bzw. 1240 von Kaiser Friedrich II. mit |
der Reichsunmittelbarkeit ausgestattet worden, die Habsburger wollten diesen Status jedoch nicht anerkennen – und Unterwalden, die so genannten Waldstätte, zu einem „Ewigen Bund” zusammen und versicherten sich im (historisch zweifelhaften) Rütlischwur gegenseitiger Hilfe im Kampf gegen die Habsburger. 1315 besiegten die drei Waldstätte bei Morgarten ein habsburgisches Heer und erneuerten ihren „Ewigen Bund”. 1332 schlossen sich Luzern, 1351 Zürich, 1352 Glarus und Zug und 1352 schließlich Bern dem Bund an; aus dem Bund der drei Urkantone war nun die Eidgenossenschaft der „Acht alten Orte” geworden. |
1386 siegte der Bund in der Schlacht von Sempach erneut über die Habsburger und untermauerte damit seine Unabhängigkeit. 1415 schwächten die Eidgenossen die Position der Habsburger durch die Eroberung des Aargaus noch weiter, im Rahmen der Toggenburger Erbschaftskriege (1440-1450) behaupteten sie sich am Ende erneut gegen die Habsburger, und 1460 nahmen sie den habsburgischen Thurgau ein. Durch ihre Siege in den Burgunderkriegen |
![]() |
Entwicklung der Schweizer Eidgenossenschaft. Encarta |
(1474-1477) über Karl den Kühnen wehrten die Eidgenossen schließlich auch die burgundische Expansion ab und schufen sich zugleich einen Namen als Militärmacht; die Schweizergarden, eidgenössische Söldner, waren in der Folgezeit im Ausland hochbegehrt. 1481 traten Freiburg und Solothurn der Eidgenossenschaft bei. 1499 lösten die geplante Reichsreform Kaiser Maximilians I., die von den Eidgenossen den Verzicht auf einige ihrer alten Privilegien bedeutet hätte, sowie die habsburgische Territorialpolitik in Graubünden den Schwabenkrieg aus. Der Krieg endete nach eidgenössischen Erfolgen mit dem Frieden von Basel (22. September 1499) und dem faktischen Ausscheiden der Schweiz aus dem Reichsverband. Rechtsgültig fixiert wurde der Austritt der Eidgenossenschaft aus dem Reich allerdings erst 1648 im Westfälischen Frieden. |
1501 traten Basel und Schaffhausen und 1513 Appenzell der Eidgenossenschaft bei, die damit zum Bund der „Dreizehn alten Orte” erweitert war. |
![]() |
Der Bund der „Dreizehn alten Orte” war eine Föderation selbständiger Kantone, zum Teil Stadtrepubliken (Basel, Bern, Freiburg, Luzern, Schaffhausen, Solothurn und Zürich), zum Teil vergleichsweise demokratisch verfasste Länder (Appenzell, Glarus, Schwyz, Unterwalden, Uri und Zug); dazu kam eine Reihe „zugewandter Orte” (z. B. Stadt und Kloster Sankt Gallen, Mülhausen, Genf, das Bistum Basel), die mit den Dreizehn alten Orten unterschiedlich eng verbündet waren und in der Eidgenossenschaft über unterschiedliche (eingeschränkte) Rechte verfügten. In enger Verbindung zur Eidgenossenschaft standen auch die selbständigen Republiken Wallis und Graubünden. Für die gemeinsamen inneren Angelegenheiten der Dreizehn alten Orte war |
Rütlischwur. Encarta |
die Tagsatzung zuständig, die institutionalisierte, regelmäßige Versammlung der Gesandten der 13 Kantone; eine gemeinsame Außenpolitik fand hingegen kaum statt – ein Grund für die Neutralitätspolitik der Schweiz. Die 13 alten Kantone waren innerhalb ihrer Föderation souverän; Neuerwerbungen, die so genannten Untertanenländer, wie etwa der Thurgau, das Tessin und Teile des Aargaus und des Kantons Sankt Gallen, hingegen waren unselbständig und wurden von den 13 alten Kantonen gemeinsam verwaltet. Die Zusammensetzung des Bundes blieb bis 1798 unverändert. Im frühen 16. Jahrhundert griffen die Schweizer als selbständige Macht auf der Seite der Heiligen Liga in die französisch-habsburgischen Auseinandersetzungen um Oberitalien ein. Nach anfänglichen Erfolgen der antifranzösischen Koalition erlitten die Schweizer 1515 bei Marignano ein schwere Niederlage, in deren Folge sie ihre Politik grundlegend änderten: 1516 schlossen sie Frieden und 1521 ein enges Bündnis mit Frankreich, und sie verzichteten weitgehend auf eine selbständige auswärtige Machtpolitik. Trotz der Niederlage konnte die Eidgenossenschaft jedoch territoriale Zugewinne für sich verbuchen: Sie gewann das Tessin, das verbündete Graubünden erhielt das Veltlin. 1536 eroberte Bern schließlich noch das savoyische Waadtland. Schweiz," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 |
![]() Benutzerdefinierte Suche
|