Geschichte der Schweiz : Die Konsolidierung des souveränen Staates
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Fotografien Schweiz |
Das Fehlen einer zentralen Staatsgewalt in der sehr heterogen zusammengesetzten Eidgenossenschaft äußerte sich in anhaltenden konfessionellen und sozialen Spannungen. 1653 führte die Unzufriedenheit des Großbauerntums mit dem von den Städten ausgehenden Verwaltungszentralismus zum so genannten Schweizer Bauernkrieg, der zwar zugunsten der Städte ausging, die Städte aber für die Forderungen, Bedürfnisse und Traditionen des Bauerntums sensibilisierte. Die konfessionellen Spannungen entluden sich immer wieder in regional beschränkten Auseinandersetzungen, vor allem aber in den beiden gesamtschweizerischen Villmerger Kriegen (1656 und 1712) zwischen den beiden führenden reformierten Kantonen Zürich und Bern auf der einen und den katholischen Fünf Orten (Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern und Zug) auf der anderen Seite. Den ersten Krieg entschieden die katholischen Fünf Orte für sich, im zweiten waren die Reformierten siegreich, die nun die Katholischen als politische Vormacht in der Eidgenossenschaft ablösten. |
Nach Ausbruch der Französischen Revolution 1789 fanden deren Ideen auch in der Schweiz rasch Anhänger. In den Koalitionskriegen behauptete die Eidgenossenschaft ihre Neutralität, obwohl sie, d. h. die Kantonsregierungen, deutlich der antifranzösischen, gegenrevolutionären Koalition zuneigte. Aufgrund dieser koalitionsfreundlichen Haltung der Schweiz, aber auch auf Betreiben schweizerischer Revolutionäre, die die Umwandlung der Eidgenossenschaft in ein zentralisiertes, freiheitliches Staatswesen anstrebten, griff Frankreich Anfang 1798 in der Schweiz ein, brachte die Eidgenossenschaft nach kurzer militärischer Auseinandersetzung im März 1798 zur Kapitulation und besetzte das ganze Land. |
De jure weiterhin ein selbständiges Staatswesen, wurde die Eidgenossenschaft nun in die Helvetische Republik umgewandelt und als „Schwesterrepublik” eng an die französische Republik angebunden. Die neue, von dem Basler Peter Ochs ausgearbeitete Verfassung der Helvetischen Republik löste die bisherige föderale Verfassung zugunsten eines Einheitsstaates ab, die Kantone wurden zu Verwaltungseinheiten degradiert. Der Widerstand, auf den die neue Verfassung beim überwiegenden Teil der Schweizer stieß, wie auch scharfe Kontroversen innerhalb der helvetischen Regierung führten 1802 zu Aufständen und schließlich zum Bürgerkrieg. Frankreich, d. h. Napoleon griff erneut ein und erließ am 19. Februar 1803 eine neue, auf die alte föderale Ordnung zurückgreifende Verfassung, die Mediationsakte. |
Die 13 alten Kantone wurden als selbständige Kantone mit ihren alten Verfassungen wieder hergestellt, sechs neue, aus Untertanengebieten bzw. zugewandten Orten entstandene Kantone kamen hinzu: Sankt Gallen, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt und Graubünden. Die nun 19 Kantone firmierten als „Schweizerische Eidgenossenschaft”. |
Im 1. Pariser Frieden, geschlossen nach der ersten Abdankung Napoleons 1814, erhielt die Eidgenossenschaft die nach der französischen Besetzung abgetretenen Gebiete zurück: Genf, Wallis und Neuenburg, die nun zu eigenständigen Kantonen wurden, sowie das säkularisierte Bistum Basel, das als Berner Jura dem Kanton Bern zugeschlagen wurde. (Neuenburg blieb zugleich noch bis 1857 Fürstentum des preußischen Königs.) Lediglich das Veltlin, das der Zisalpinischen Republik angegliedert worden war, verblieb bei Österreich. Der Wiener Kongress bestätigte 1815 den territorialen Bestand der Schweiz und anerkannte die Schweiz als souveränen Staat mit immerwährender Neutralität. Im August 1815 gab sich die Schweiz mit dem so genannten Bundesvertrag eine neue Verfassung, die besonders die Unabhängigkeit der Kantone betonte und so der Restauration, d. h. der |
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französische Revolution |
Rückkehr der alten patrizischen Schicht in die Regierungen in Städten und Landsgemeinden, Vorschub leistete. Wie nahezu überall in Europa entwickelte sich in den Jahren nach dem Wiener Kongress auch in der Schweiz eine starke liberale Bewegung, die eine Reform der Verfassung und die Ablösung der alten Machteliten anstrebte. Vor allem durch die französische Julirevolution von 1830 erhielten die Liberalen starken Auftrieb, übernahmen 1830/31 in der Mehrheit der Kantone die Führung und führten hier eine Reihe liberaler Reformen durch. Verbunden waren diese liberalen Umgestaltungen, die vor allem der Wirtschaft zugutekommen sollten, mit der Forderung nach einer Vereinheitlichung des Staatswesens, dessen kantonale Zersplitterung in zahlreichen, für die Wirtschaft relevanten Bereichen einer Weiterentwicklung entgegenstand. |
Gegen die liberalen Reformen und die Zentralisierungsbestrebungen leisteten die konservativen, katholischen Kantone erbitterten Widerstand; die Eidgenossenschaft war nunmehr gekennzeichnet durch die innenpolitische Polarisierung zwischen den konservativen, katholisch-klerikalen Kantonen und den liberalen, die die Mehrheit stellten. 1845 schlossen sich die konservativen Kantone zum Sonderbund zusammen. Die liberal dominierte Tagsatzung betrachtete die Bildung des Sonderbundes als Verstoß gegen den Bundesvertrag und forderte seine Auflösung. Als der Bund dies ablehnte, kam es 1847 zum so genannten Sonderbundskrieg, einem Bürgerkrieg zwischen Sonderbund und Bundesarmee. Der Sonderbund unterlag und löste sich auf; die Liberalen konnten nun eine Reform der Bundesverfassung einleiten. Schweiz," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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