Geschichte Europas : Das Mittelalter
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Fotografien Europa |
Europa begann seine heutige Struktur im Zuge der germanischen Völkerwanderung (4.-6. Jahrhundert n. Chr.) anzunehmen. Der Vorstoß germanischer Stammesverbände nach West- und Südeuropa führte zur Auflösung des Römischen Reiches als Staat und als kulturelle Einheit sowie zur Neubildung verschiedener Reiche auf dem Boden des Römischen Reiches. Der Süden, d. h. die Iberische Halbinsel, die Apenninenhalbinsel und der Peloponnes, waren im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian I. zeitweise wieder unter der Oberhoheit des Oströmischen bzw. Byzantinischen Reiches vereint und bewahrten am ehesten die kulturellen Traditionen des Römischen Reiches. Die Iberische Halbinsel musste aber bald wieder aufgegeben werden, während die byzantinische Herrschaft in Teilen Italiens noch behauptet werden konnte; die Päpste, die hier nach und nach die Funktionen des Exarchen, also des byzantinischen Statthalters, übernommen hatten, wandten sich jedoch im 8. Jahrhundert von Byzanz ab und dem germanischen Westen zu und leiteten so die Ablösung des Abendlandes von der Oberhoheit des Byzantinischen Reiches ein. Gleichzeitig verlagerte sich der politische Schwerpunkt in Europa vom Mittelmeerraum in den Norden, nach West- und Mitteleuropa. |
Die germanischen Gebiete außerhalb des Römischen Reiches sowie die nach dem Abzug der Germanen von Slawen besiedelten Gebiete östlich der Elbe-Saale-Linie waren kulturell und politisch weit weniger entwickelt als das Römische Reich und im Gegensatz zu den germanischen Nachfolgereichen im Bereich des ehemaligen Römischen Reiches bis ins 7. Jahrhundert noch nicht christianisiert. Diejenigen Germanenstämme, die im Zug der Völkerwanderung mit dem Römischen Reich in – friedlichen oder kriegerischen – Kontakt gekommen waren, hatten mehr oder weniger die römisch-antike Kultur und das Christentum in seiner katholischen bzw. seiner arianischen (Langobarden, Goten, Wandalen) Form angenommen. |
In dem ersten germanischen Großreich auf römischem Boden, dem Tolosanischen Reich der Westgoten in Spanien und Südfrankreich, deutete sich bereits die römisch-germanisch-christliche Grundstruktur an, die für die Staatswesen im mittelalterlichen Europa charakteristisch werden sollte. Zerschlagen wurde das Tolosanische Reich durch die Muslime, die seit Beginn des 8. Jahrhunderts die Iberische Halbinsel unter ihre Herrschaft brachten und für einige Jahrhunderte ihre politische und kulturelle Entwicklung bestimmten. |
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Wanderzüge der Goten. Encarta |
Ende des 5. bis Anfang des 6. Jahrhunderts drangen die Franken aus ihrem Stammgebiet am Niederrhein nach Südwesten vor, unterwarfen das römische Gallien und griffen auch auf das germanische Mitteleuropa über. Ihre Reichsbildung verknüpfte römische mit germanischen Traditionen und schuf mit der Christianisierung eine alle Stämme ihres Reiches umfassende kulturelle Klammer. 754 wurde Pippin der Jüngere, König der Franken, als Erster der germanischen Herrscher vom Papst gesalbt und kirchlich legitimiert. Diese dadurch begründete enge Verbindung zwischen Frankenreich und römischer Kirche führte auf der einen Seite zur Loslösung des Papsttums von Byzanz; auf der anderen Seite wirkte sie prägend auf Entwicklung und Selbstverständnis des Reiches. Die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 durch den Papst vertiefte das Bündnis von Kirche und Reich, erneuerte das weströmische Imperium und vollzog die endgültige Trennung des Abendlandes von Oberhoheitsansprüchen des byzantinischen Kaisertums. "Europa," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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