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Alte Geschichte Ägyptens : Mittleres Reich (2046-1794/93 v. Chr.)
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Mit dem Sieg Mentuhoteps II. war die Reichseinheit wiedergewonnen, politische Stabilisierung aber ließ noch auf sich warten. Im Gegenteil: Im beginnenden Mittleren Reich nahm das Selbstbewusstsein der Gaufürsten wieder zu, und Thronwirren erschütterten abermals das Königtum. Erst mit der 12. Dynastie (1976-1794 v. Chr.) kam das Reich zur Ruhe und begann eine später zu klassischem Rang erhobene kulturelle Blüte. Architektur, Kunst und Schmuck dieser Zeit weisen ein außergewöhnlich hohes Maß an Kunstfertigkeit auf, und diese Periode gilt als goldenes Zeitalter der ägyptischen Literatur.

Die sozialen Rahmenbedingungen hatten sich gegenüber dem Alten Reich, allen scheinbaren Parallelen der Reichseinigung zum Trotz, grundlegend gewandelt. Hatten die Pharaonen der 3. bis 8. Dynastie mit ihrem schriftkundigen Beamtenstab über eine Bevölkerung geherrscht, die, des Lesens und Schreibens unkundig, der Zentralmacht nichts entgegenzusetzen hatte, so waren die Könige nun mit einer feudalen Aristokratie von mächtigen Gaufürsten konfrontiert. Als deutlichstes Zeichen ihres Selbstbewusstseins ließen Gaufürsten die Datierung der Ereignisse in ihrem Herrschaftsbereich nach ihren eigenen Regierungsjahren vornehmen.

Das Kräftemessen mit der Aristokratie konnten die Pharaonen nur für sich entscheiden, indem sie die Legitimationsbasis ihrer Herrschaft verbreiterten.

Dass Theben, die Residenz der 11. Dynastie, seit Mentuhotep II. zum Reichsmittelpunkt ausgebaut wurde, stieß in Unterägypten auf erhebliche Widerstände. Nachdem der Wesir von Mentuhotep IV. (1983-1976 v. Chr.) seinen König gestürzt und als Amenemhet I. (1976-1947 v. Chr.) selbst die 12. Dynastie begründet hatte, verlegte er die Hauptstadt wieder nordwärts nach Lischt, 30 Kilometer südlich von Memphis. Im Mittleren Reich trat die Selbstherrlichkeit des Königtums hinter einer neuen Verantwortung für die Untertanen zurück: Der Pharao, auf Ausgleich mit den feudalen Eliten bedacht, strebte nach Konsens und war zu Leistungen seinen Untertanen gegenüber verpflichtet: Er gewährte Schutz und konnte im Gegenzug dafür Loyalität und Gehorsam einfordern. Im Mittleren Reich erfuhr das Prinzip Ma’at seine endgültige Ausformung.

Theologisch fand die veränderte Grundlegung der Monarchie im Mittleren Reich ihre Entsprechung im Gedanken des Totengerichts. Für ein Leben nach den Regeln der Ma’at belohnt es den Toten mit dem Eingang in ein detailliert ausgestaltetes Totenreich. Der gedachten Totenstadt im „schönen Westen” entsprach die reale Anlage der Nekropolen am Westufer des Nil. Als neues theologisches Konzept trat die Gottessohnschaft des Pharao hinzu. Es hatte seinen Ursprung in der Provinz, wo sich die Gaufürsten als Söhne lokaler Stadtgötter legitimierten.

Auf der Grundlage der neuen Königsideologie konnten die Pharaonen der 12. Dynastie noch einmal den Partikularismus der Gaufürsten überwinden. Sie banden deren Familien an die königliche Residenz und zogen die Grenzen der Gaue neu. Durch Erschließung neuen Ackerlandes, das den königlichen Domänen

Amenemhet III
Amenemhet III
zugeschlagen wurde, erhöhten sie das wirtschaftliche Gewicht der Zentrale gegenüber der Aristokratie. Die Kolonisierung der Senke von Faijum durch Amenemhet III. (1853-1806 v. Chr.) fiel in die Zeit der 12. Dynastie.
Nach wie vor richteten sich die ägyptischen Außenbeziehungen vor allem auf die Beschaffung wichtiger Rohstoffe, von der Levante, aus Punt und aus Nubien. Über den Fernhandel traten aber neue Regionen in den Gesichtskreis der Ägypter: Archäologisch sind aus dem mittelminoischen Kreta, aus Innersyrien und aus Mesopotamien importierte Artikel nachgewiesen. Intensive Beziehungen mit der Levante bezeugt auch die abenteuerliche Erzählung über das Leben des Sinuhe, der, während der Herrschaft Amenemhets I. aus Ägypten exiliert, in Palästina zu Ansehen und Wohlstand gelangte und dort das Leben eines Beduinenscheichs führte, bevor er von seinem König ein Amnestieangebot erhielt. Insgesamt war die Außenpolitik der 12. Dynastie defensiv ausgerichtet. Amenemhet I. befestigte die Südgrenze gegen Nubien am 2. Katarakt (oberhalb von Abu Simbel), und südlich davon sicherte Ägypten seine seit Sesostris I. (1956-1910 v. Chr.) intensivierte Oberherrschaft über Unternubien durch die Anlage militärischer Festungsbauten. Unter Amenemhet I. entstand auch die „Fürstenmauer” am Ostrand des Nildeltas, die Ägypten gegen Nomadenangriffe aus dem Sinai und aus Palästina absichern sollte. Der Versuch, Ägypten gegen Eindringlinge aus Vorderasien abzuschirmen, erwies sich auf Dauer jedoch als wirkungslos. Fremde kamen aber zunächst friedlich, als Söldner, Händler und Handwerker, die sich im Nildelta niederließen. Die Neuankömmlinge waren offenbar überwiegend Angehörige einer semitischen Sprachgruppe und stammten aus Syrien und Palästina, teilweise auch aus Nubien. In der Spätphase des Mittleren Reiches errichteten einige von ihnen als Heka-Chasut („Herrscher der Fremdländer”) lokale Fürstentümer. "Ägypten," Microsoft® Encarta
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