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Neue Geschichte Griechenlands : Die Bayernherrschaft (1832-1862)
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Der neue Staat umfasste die Peloponnes, Mittelgriechenland, Euböa, die Kykladen und die nördlichen Sporaden. Da Griechenland plötzlich von den osmanischen Märkten abgeschnitten war, erlitt es große wirtschaftliche Verluste.

Bereits 1827 hatten die innergriechischen Konfliktparteien angesichts der schwierigen militärischen Lage einen Burgfrieden vereinbart. Im April wählten sie den angesehenen Diplomaten Ioannis Kapodistrias zum Präsidenten. Dessen absolutistische Regierungsweise konnte das Land nicht einen. Im Oktober 1831 wurde Kapodistrias auf Befehl eines Clanführers der Halbinsel Mani ermordet. Damit brach der Bürgerkrieg erneut aus.

Die drei Schutzmächte Frankreich, Großbritannien und Russland setzten 1832 für Griechenland die erbliche Monarchie als Regierungsform durch. In der griechischen Politik spielte dieser äußere Einfluss in der Folge eine so große Rolle, dass sich die Parlamentarier in einer „englischen”, einer „französischen” und einer „russischen” Partei organisierten. Zum König bestimmten die Großmächte Otto von Wittelsbach, den Sohn des bayerischen Königs Ludwig I. Da Otto I. bei seiner Thronbesteigung erst 17 Jahre alt war, lenkte in den ersten drei Jahren ein vierköpfiger bayerischer Regentschaftsrat den institutionellen Aufbau des Staates. Er stützte sich auf eine bewaffnete Truppe von 3 500 bayerischen Soldaten.

Der Regentschaftsrat regierte nach dem Muster einer absolutistischen Monarchie, machte die griechische Kirche autokephal und unabhängig vom Patriarchat in Konstantinopel und dekretierte die Grundzüge eines zentralistischen Staats- und Verwaltungswesens. Die Reformen gingen jedoch in vielerlei Hinsicht an der gesellschaftlichen Realität vorbei und wurden nur teilweise umgesetzt. Ab 1834 war Athen Hauptstadt. 1843 zwang eine unblutige Rebellion den König zur Entlassung aller Bayern aus den höheren Staatsämtern und zur Ausrufung einer parlamentarisch-konstitutionellen Verfassung. Der Ausbau der staatlichen Institution wurde auch unter der neuen Verfassung fortgesetzt.

1844 formulierte Ministerpräsident Ioannis Kolettis das Programm des modernen griechischen Nationalismus mit dem Kern der staatlichen Vereinigung aller Griechen und der Expansion des Nationalstaates, dessen zukünftige Hauptstadt das noch zu erobernde Konstantinopel sein sollte. Ob die „Megali Idea” (Große Idee), die die griechische Politik bis zur kleinasiatischen Katastrophe im Jahr 1922 prägte, die Wiederherstellung des Byzantinischen Reiches, ein Anknüpfen an die Traditionen der griechischen Antike oder eine revolutionäre griechische Republik verwirklichen sollte, blieb innerhalb der griechischen Nationalbewegung strittig.

Die innenpolitische Lage war nach dem Erlass der Verfassung von 1843 kritisch. Das Bandenunwesen der Klephten bestand in vielen Landesteilen fort. Die Kritik am König wuchs, zumal Otto I. für das Scheitern der Erweiterung des Staatsgebietes verantwortlich gemacht wurde. Zudem war der König nicht zur griechischen Orthodoxie übergetreten, sondern Katholik geblieben. 1862 putschte die Armee. Otto verließ daraufhin Griechenland und starb kinderlos 1867 im bayerischen Exil. Damit war die 30-jährige Bayernherrschaft (Bavarokratia) zu Ende.

"Griechenlands," Microsoft® Encarta

Ioannis Kapodistrias
Ioannis Kapodistrias
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