Neue Geschichte Tunesiens
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Fotografien Tunesien |
Im Verhältnis zu den arabischen Staaten verfolgte die tunesische Regierung einen uneinheitlichen Kurs. Am 1. Oktober 1958 trat sie der Arabischen Liga bei, die sie aufgrund von Differenzen mit dem nasseristischen Ägypten im November aber schon wieder vorübergehend verließ. In den sechziger Jahren suchte Tunesien die Annäherung an die anderen Maghrebstaaten Algerien und Marokko und wirkte 1964/65 an der Bildung des Comité Permanent Consultatif du Maghreb mit, das sich für eine bessere regionale Kooperation in Nordafrika einsetzte. Nachdem Tunesien seit Beginn der sechziger Jahre auch engere Kontakte mit dem arabischen Osten und insbesondere wieder zu Ägypten pflegte, verschlechterten sich die Beziehungen zum arabischen Lager, als Bourguiba 1965 für ein Übereinkommen mit Israel auf der Grundlage der UN-Resolution von 1947 eintrat. Die Differenzen nahmen weiter zu, als Tunesien seine Beziehungen zu Ägypten erneut abbrach und die Arabische Liga boykottierte. Als sich 1967 der Nahostkonflikt verschärfte, nahm Bourguiba jedoch wieder eine klar proarabische und antiisraelische Haltung ein und reaktivierte die Beziehungen zu Ägypten. |
1982 nahm Tunesien den PLO-Führer Jasir Arafat und einige Hundert seiner Anhänger, die den Libanon verlassen mussten, auf; Arafat errichtete in Tunis sein Hauptquartier. Die Beziehungen zu Libyen verschlechterten sich 1985, nachdem das Nachbarland aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten 30 000 tunesische Gastarbeiter entlassen hatte, die in der Heimat den daniederliegenden Arbeitsmarkt zusätzlich belasteten. 1989 schloss sich Tunesien zusammen mit den anderen vier Maghreb-Staaten zur Arabischen Maghreb Union zusammen; die angestrebte Wirtschaftsunion und engere politische Kooperation scheiterte jedoch an immer wieder auftretenden Differenzen zwischen den Mitgliedern. |
Die anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die sozialen Spannungen führten 1987 zur so genannten „Jasmin-Revolte”. Einen Monat nach seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten nutzte der ehemalige General und Sicherheitschef des Präsidenten, Zine el-Abidine Ben Ali, die allgemeine Unzufriedenheit zum Staatsstreich und erklärte den seit 30 Jahren regierenden greisen Bourguiba wegen Amtsunfähigkeit am 7. November 1987 für abgesetzt. |
Mit populären Maßnahmen wie der Amnestierung politischer Gefangener, der Legalisierung der meisten Oppositionsparteien und der Wiederherstellung der Pressefreiheit bescherte Ben Ali seiner Partei, dem aus dem Parti Socialiste Destourien hervorgegangenen Rassemblement Constitutionnel Démocratique (RCD), bei den ersten freien Wahlen seit der Unabhängigkeit im April 1989 trotz Konkurrenz sämtliche Sitze im Parlament. Er selbst wurde ohne Gegenkandidat im Amt des Präsidenten bestätigt. In der Folgezeit ging Ben Ali rigoros gegen den islamischen Fundamentalismus vor, dem er durch gezielte soziale und politische Reformen zudem den Nährboden zu entziehen suchte. Auch bei den Wahlen 1994 und 1999 behauptete sich Ben Ali mit seiner Partei deutlich. Mit großer Mehrheit stimmte die Bevölkerung 2002 in einem Referendum einer Verfassungsänderung zu, die es Ben Ali erlaubte, bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2004 ein viertes Mal anzutreten. Mit 94,5 Prozent der Stimmen erreichte er sein bis dahin schlechtestes Ergebnis. Von den drei Mitbewerbern galten zwei als regimetreu; der dritte und einzige oppositionelle Kandidat kam auf nicht einmal 1 Prozent der Stimmen. Aus den gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen ging Ben Alis RCD mit 152 der insgesamt 189 Mandate als absolut stärkste Partei hervor. Der Opposition wurde von vornherein ungeachtet des tatsächlichen Wahlergebnisses ein Fünftel der Sitze |
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Die Stadt von Tunis. Bild E. Buchot |
garantiert, was – wie das vergleichsweise „schlechte” Wahlergebnis Ben Alis – als Zeichen für eine gewisse Demokratisierung gewertet wurde. "Tunesien," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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