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Alte Geschichte Ägyptens : Neues Reich (1550-1069 v. Chr.) : Imperiale Expansion
Fotografien Ägypten

Wie oft in der Weltgeschichte schlugen Befreiung von Fremdherrschaft und Wiedererlangung der inneren Einheit auch im beginnenden Neuen Reich in imperiale Expansion nach außen um. Amosis I. hatte nach der Eroberung von Avaris mit der Vertreibung der letzten Hyksos aus Südpalästina bereits eine neue Grenze gezogen. Hauptziel des ägyptischen Vordringens war die Levante, jene Region, aus der die Hyksos stammten. Unter Thutmosis I. (1504-1492 v. Chr.) erreichte ein ägyptisches Heer erstmals den Euphrat, wo Ägypten mit den Mitanni zusammenstieß, die die Führungsschicht in den syrischen Staaten stellten.

In einem zweiten Anlauf unter Thutmosis III. (1479-1425 v. Chr.), der anfangs gemeinsam mit seiner Stiefmutter Hatschepsut regierte (1479-1458 v. Chr.), intensivierte Ägypten, in Allianz mit den Assyrern, seine Kontrolle des syrisch-palästinischen Raums. Bei Megiddo in Palästina schlug er eine Koalition syrischer Fürsten (1458 v. Chr.) und installierte dann in Syrien systematisch eine direkte Herrschaft Ägyptens, mit Garnisonen, Flottenbasen und einer Provinzialverwaltung, die ein „Vorsteher der östlichen Fremdländer” leitete. Die lokalen Fürsten wurden zu niederen ägyptischen Verwaltungsbeamten degradiert, die der direkten Kontrolle der Krone unterstanden.

Die Rahmenbedingungen für die ägyptische Herrschaft in Syrien änderten sich mit dem Niedergang der Mitanni, die unter den Druck des expandierenden Hethiterreiches gerieten und die Verständigung mit Ägypten suchten. Thutmosis IV. (1397-1388 v. Chr.) knüpfte eine dynastische Verbindung zwischen Ägypten und Mitanni und nutzte die Gelegenheit für weitere Expansion.

Nicht weniger energisch trieben die Herrscher der 18. Dynastie die Expansion im Süden, in Nubien, voran. Unter Thutmosis I. eroberte Ägypten die nubische Hauptstadt Kerma und unterwarf Nubien bis nördlich des 5. Katarakts (unterhalb des heutigen Atbara) und unterstellte es, bei innerer Autonomie, einem Vizekönig. Monumentale Tempelanlagen für den Königskult, für Amun, Ptah und Horus unterstrichen den ägyptischen Anspruch auf Nubien, dessen hohe Tribute, vor allem in Gold, einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des königlichen Haushalts leisteten.

In eine Krise geriet die ägyptische Hegemonialpolitik während der Amarna-Periode, als innere Konflikte vorübergehend das militärische Potenzial banden und die Expansionskraft lähmten.

Die zahlreichen, auf Akkadisch abgefassten Tontafeln der Amarna-Korrespondenz enthüllen, wie die Herrschaft Ägyptens über die Levante seit Amenophis III. (1388-1351 v. Chr.), verstärkt seit Amenophis IV./Echnaton (1351-1334 v. Chr.), ins Wanken geriet: Lokale Machthaber, u. a. aus Byblos, wandten sich mit Bitten um militärische Unterstützung an den Pharao, fanden aber kein Gehör. Syrien-Palästina verwandelte sich für fast 50 Jahre in einen Unruheherd mit Bauernaufständen, Nomadeneinfällen und Adelsrevolten.

Um so kraftvoller nahmen die Nachfolger Echnatons seit Haremhab (1319-1292 v. Chr.) die Expansionspolitik wieder auf. Nicht zufällig blickten Haremhab, ebenso wie sein Nachfolger Ramses I. (1292-1290 v. Chr.) und die meisten anderen Pharaonen der 19. Dynastie (1292-1186 v. Chr.) bei ihrem Herrschaftsantritt auf eine militärische Karriere zurück: Ägypten verwandelte sich in einen Armeestaat. Inzwischen war in Vorderasien das Hethiterreich an die Stelle der Mitanni getreten und rivalisierte mit Ägypten um Positionen in der Levante. Bei Kadesch am Orontes stießen die beiden Großmächte 1275 v. Chr. frontal zusammen. Pharao Ramses II. (1279-1213 v. Chr.) erreichte mit knapper Not ein Remis, rühmte sich aber in seiner Bildpropaganda z. B. in Abu Simbel eines glänzenden Sieges. Nach weiteren erfolglosen Feldzügen gegen das Hethiterreich schloss Ramses schließlich um 1258 v. Chr. mit dem Hethiterkönig Hattusili I. einen Friedensvertrag, den ersten (überlieferten) schriftlichen Friedensvertrag der Geschichte. Darin wurde der Orontes als Grenze der jeweiligen Interessensphären festgelegt.

Thutmosis IV
Thutmosis IV
Die ägyptische Expansion war damit an ihr Ende gelangt. In der Levante, zwischen Ägypten und Hethiterreich, spannte sich ein Flickenteppich kleiner Staaten, die unter der Oberherrschaft der Hethiter (im Norden) und Ägyptens (im Süden) standen. Von hier gingen die Erschütterungen aus, die um 1200 v. Chr. das gesamte System zum Einsturz brachten. Wie bereits in der Amarnazeit entglitt den lokalen Herrschern die Macht, Revolten und Bürgerkrieg breiteten sich aus. Während das Hethiterreich schon kurz nach 1200 v. Chr. zusammenbrach, konnte sich Ägypten unter Ramses III. (1183-1152 v. Chr.) zwar gegen Invasionen im Zuge des so genannten Seevölkersturms (siehe ägäische Wanderung) behaupten, war jedoch mit den Hethitern und den Besitzungen in der Levante seiner strategischen Partner beraubt. Etwa gleichzeitig versiegten die Einkünfte aus den Tributen in Palästina und Nubien. Später entzog sich auch Oberägypten der Kontrolle durch die Ramessiden. Ramses XI. (1099-1069 v. Chr.) musste die Errichtung einer Militärdiktatur in Theben durch den General und Priester Herihor hinnehmen. "Ägypten," Microsoft® Encarta
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