Fotografien
Geschichte Australiens : Das New South Wales Corps
Fotografien Australien

1792 wurden die Royal Marines durch das New South Wales Corps ersetzt, das sich aus eigens in Großbritannien rekrutierten Angehörigen zusammensetzte. Diese stiegen, nachdem sie freies Land zugewiesen bekommen hatten, schon bald zu den mächtigsten Farmern der Kolonie auf, gefährdeten jedoch durch ihre wirtschaftliche Vormachtstellung gleichzeitig die Autorität des Gouverneurs. Darauf bedacht, ihr Eigentum und Vermögen beständig zu vermehren, spezialisierten sich Angehörige des Corps auf die Produktion und die Preiskontrolle des Rums, der in der Kolonie als wichtige Tauschware gehandelt wurde. Kapitän John Hunter, der Nachfolger von Gouverneur Phillip, kam 1795 in Australien an und bemühte sich vergeblich darum, die Kontrolle über den Rumhandel zu erlangen. Die Bemühungen von Kapitän Philip G. King, der von 1800 bis 1806 als Gouverneur diente, blieben gleichermaßen erfolglos. Außerdem mussten Hunter und King sich um die Unterbringung von zusätzlichen Neuankömmlingen kümmern. 1804 konnte King eine Rebellion irischer Strafgefangener nur mit Hilfe des Corps niederschlagen.

1806 wurde Gouverneur King durch Kapitän William Bligh ersetzt, den ehemaligen Befehlshaber der Bounty. Bligh drohte den Mitgliedern des Corps den Verlust ihres Monopols an, was jedoch am 26. Januar 1808 zur so genannten Rum-Rebellion führte. In deren Verlauf setzten Offiziere des New South Wales Corps Bligh einfach ab. Bligh wurde nach London zurückbeordert, wo er seine Vorgehensweise erfolgreich darlegen und verständlich machen konnte, einen Gouverneursposten erhielt er jedoch nie mehr.

Die Rum-Rebellion stellte nur einen vorübergehenden Sieg der Mitglieder des Corps dar, das von der Regierung Großbritanniens zurückbeordert wurde. In der Zwischenzeit hatte John Macarthur, einer der Rebellionsführer, ein für den Export geeignetes und gewinnträchtiges Produkt entdeckt: australische Schafswolle. Die Schafweidewirtschaft entwickelte sich aber erst nach 1810 mit der gezielten Zucht von Merinoschafen und der Massenerzeugung der hochwertigen Wolle.

Blighs unmittelbarer Nachfolger, Lachlan Macquarie, war von 1809 bis 1821 als Gouverneur Australiens im Amt. Macquarie initiierte ein umfangreiches Programm von öffentlichen Baumaßnahmen, wobei er sich die Fachkenntnisse des Exsträflings und Architekten Francis Howard Greenway beim Entwurf und Bau von Kirchen, Krankenhäusern und Regierungsgebäuden in Sydney zunutze machte.
Ab 1814 nahm die Bevölkerung durch Zuwanderung stetig zu. Infolge der Ankunft von größeren Zahlen freier Siedler ergaben sich mehr und mehr Ansprüche auf landwirtschaftlich nutzbares Land, auf dem die zunehmende Zahl von Sträflingen als Arbeiter tätig sein konnte.

Trotzdem war diese Zeit auch von wachsenden Spannungen innerhalb von New South Wales geprägt. Sträflinge, die ihr Strafmaß vollständig abgesessen hatten oder infolge guter Führung frühzeitig entlassen wurden, wollten ebenfalls Land und damit auch eine eigene Existenzgrundlage mit neuen Chancen. Sie nannten sich selbst Emanzipisten und forderten mehr Rechte für ehemalige Häftlinge. Die freien Siedler vertraten jedoch weiterhin die Ansicht, dass auch ehemalige Häftlinge nicht als gleichwertig behandelt werden sollten. Im Gegensatz dazu entschloss sich Macquarie, die Forderungen der Emanzipisten anzuerkennen. Er gestand ihnen Eigentumsrechte zu und verlieh einigen von ihnen untergeordnete Amtspositionen.

Die Vorgehensweise von Macquarie, Land an ehemalige Sträflinge zu vergeben, was außerdem mit hohen Kosten verbunden war, löste in britischen Kreisen Besorgnis aus. Deshalb entsandte die britische Kolonialbehörde 1819 den Richter John Thomas Bigge nach Australien, um die

Australien 1829
Australien 1829. Encarta
Verwaltung Macquaries näher zu untersuchen und dem britischen Mutterland Bericht zu erstatten. Bigge empfohl die Senkung der Ausgaben für die Kolonie, sprach sich aber für den Fortbestand von New South Wales als Strafkolonie aus. Bigge erkannte die zunehmende Bedeutung Australiens für das britische Empire: Der südliche Kontinent war ideal als neue Heimat für freie Siedler. Bigges Vorschlag hatte die offizielle Unterstützung der Migration von wohlhabenderen Siedlern zur Folge, die mit großzügigen Landschenkungen bedacht wurden. 1823 kam es zur wesentlichen Änderung der Verfassung von New South Wales: Die nahezu uneingeschränkte Verfügungsgewalt des Gouverneurs wurde durch die Einführung eines Legislativrates aus ernannten Mitgliedern eingeschränkt. Auf Tasmanien errichteten die Briten 1803 aus Furcht, Frankreich könne Besitzansprüche auf die Insel erheben, eine weitere Strafkolonie. 1825 wurde die Westgrenze des von den Briten beanspruchten Hoheitsgebiets bis zum 129. Längenkreis abermals aus Angst vor einer möglichen französischen Intervention vorverlegt, in der nördlichen Region um Bathurst entstand eine weitere Kolonie. 1827 trieb Edmund Lockyer die dauerhafte Besiedlung von Albany in Western Australia voran. Schließlich beanspruchte Großbritannien den gesamten australischen Kontinent für sich.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Großbritannien die Praxis aufgegeben, rechtskräftig Verurteilte nach Australien zu verschiffen. Zu diesem Zeitpunkt lebten auf dem australischen Kontinent rund 150 000 Europäer. Die meisten der Deportierten stammten aus den unteren sozialen Schichten der britischen Gesellschaft. Über die Anzahl der australischen Ureinwohner zu diesem Zeitpunkt gibt es nur ungenaue Angaben. Bei der Ankunft der ersten Europäer (1788) lebten auf dem australischen Kontinent rund 300 000 Ureinwohner. Mit zunehmender Kolonisierung wurden jedoch viele von ihnen verdrängt oder getötet. Wie in England war offiziell auch in den australischen Kolonien die anglikanische Kirche zur Staatsreligion erklärt worden. In Wirklichkeit pflegten viele Kolonisten jedoch die Glaubenspraktiken ihrer eigenen Konfessionen (z. B. römisch-katholische Kirche oder methodistische Kirche).

Zu Beginn gab es nur wenige öffentliche Schulen. Wohlhabende Siedler stellten Privatlehrer für die Ausbildung ihrer Kinder ein. Im Gegensatz dazu entwickelten sich die australische Literatur und das Pressewesen relativ schnell. 1803 erschienen die ersten Ausgaben der Sydney Gazette und des New South Wales Advertiser. George Howe, der Herausgeber der Gazette, veröffentlichte auch die ersten Bücher in Sydney, darunter die Gedichtsammlung First Fruits of Australian Poetry (1819; Erste Früchte australischer Dichtung) von Judge Barron Field. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte David Collins, der mit Gouverneur Phillip befreundet war, unter dem Titel An Account of the English Colony in New South Wales (2 Bde., 1798-1802) das erste Geschichtswerk über Australien in London veröffentlicht. Der Schriftsteller William Charles Wentworth hatte zwischenzeitlich die Überquerung der Blue Mountains in seinem Werk Description of New South Wales (1817) dokumentiert und unter dem TitelAustralasia, an Ode 1823 ein Versbuch veröffentlicht. Im darauf folgenden Jahr gründete er die Zeitung The Australian. "Australien," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

Benutzerdefinierte Suche