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Geschichte Portugals : Portugal eine Republik
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Am 11. Juni 1911 wurde die Monarchie offiziell abgeschafft, und am 31. August 1911 trat die republikanische Verfassung in Kraft, die u. a. die Trennung von Kirche und Staat festschrieb. Erster Präsident der Republik war Fernandes Braga.

Während der folgenden 15 Jahre versank das Land aufgrund von Parteienkämpfen, der desolaten Finanz- und Wirtschaftslage und sozialer Unruhen innenpolitisch im Chaos: Über 40 Regierungen und acht Präsidenten wechselten bis 1926 einander ab. Ab 1916 nahm Portugal auf der Seite der Entente am 1. Weltkrieg teil: Nachdem die portugiesische Marine im Hafen von Lissabon deutsche Schiffe beschlagnahmt hatte, erklärte Deutschland am 9. März 1916 Portugal den Krieg. Nach dem Krieg verschärfte 1919 ein Aufstand der Royalisten die inneren Unruhen und politischen Turbulenzen noch. Am 28. Mai 1926 wurde die vorerst letzte parlamentarische Regierung durch einen von General Manuel De Oliveira angeführten Militärputsch gestürzt, das Parlament wurde aufgelöst, die Verfassung ausgesetzt.

Wenige Wochen nach dem Putsch übernahm General António de Fragoso Carmona das Amt des Ministerpräsidenten und 1928 das Amt des Staatspräsidenten. Im selben Jahr ernannte er António de Oliveira Salazar zum Finanzminister und stattete ihn zur Konsolidierung des desolaten Staatshaushaltes mit außerordentlichen Vollmachten aus. Innerhalb kurzer Zeit hatte Salazar den Staatshaushalt ausgeglichen und Portugals Auslandsschulden zurückgezahlt.

Salazar wurde rasch zur mächtigsten politischen Figur in Portugal; vier Jahrzehnte lang bestimmte er, ab 1932 als Ministerpräsident, den politischen Kurs Portugals. 1930 gründete er die União Nacional (Nationale Union), eine ständisch-autoritär organisierte Partei. 1933 wurde eine neue, maßgeblich von Salazar beeinflusste und am faschistischen Italien orientierte Verfassung erlassen, die Portugal in einen ständisch-autoritären Staat, den Estado Novo (Neuer Staat), umwandelte. Zwar gab es in der neuen Verfassung noch demokratische Elemente wie etwa Wahlen; es war jedoch nur eine Partei offiziell zugelassen, die União Nacional. Jegliche Opposition wurde unterdrückt und von der berüchtigten Geheimpolizei PIDE verfolgt. Die Gewerkschaften wurden aufgelöst, undArbeitnehmer und Arbeitgeber wurden – ebenfalls nach italienischem Vorbild – in einem gemeinsamen korporativen System organisiert.

Wesentliche Stützen des neuen Regimes waren die alten Eliten: Kirche, Armee und Großgrundbesitzer. Während des Spanischen Bürgerkrieges (1936-1939) unterstützte Salazar die Aufständischen unter General Francisco Franco. Im März 1939 unterzeichnete Portugal einen Freundschafts- und Nichtangriffspakt mit Spanien; im Juli 1940 verpflichteten sich beide Länder in einem Zusatzprotokoll auf Neutralität während des 2. Weltkrieges. Im Oktober 1943 jedoch, als die Achsenmächte zunehmend in die Defensive gedrängt wurden, gestattete Portugal den Alliierten die Stationierung von Flugzeugen und Schiffen auf den Azoren.

Trotz der Neutralität war die portugiesische Wirtschaft durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, und im Fernen Osten waren die Überseegebiete bedroht. Timor z. B. war von 1942 bis 1945 japanisch besetzt. Bei Kriegsende herrschten in Portugal Armut und Arbeitslosigkeit, die Opposition gegen die Salazar-Diktatur wuchs, wurde aber weiterhin rigoros unterdrückt. Zwar wurde das Einparteiensystem etwas geöffnet, die Nationalversammlung wurde aber nach wie vor von der União Nacionalmonopolisiert. 1951 starb Staatspräsident Carmona; sein Nachfolger wurde General Francisco Craveiro Lopes. Außenpolitisch ging Portugal nach dem 2. Weltkrieg von seinem neutralen Kurs ab: 1949 gehörte Portugal zu den Gründungsmitgliedern der NATO, und 1951 überließ das Land den USA Stützpunkte auf den Azoren. 1955 wurde Portugal in die UNO aufgenommen, 1960 trat es der OECD und der EFTA bei.

António de Oliveira Salazar
António de Oliveira Salazar
1951 erklärte Portugal seine Kolonien zu Übersee-Provinzen, d. h. zu integralen Bestandteilen Portugals, und suchte so allen Unabhängigkeitsforderungen den Boden zu entziehen. In den fünfziger Jahren erstarkten wie in allen Kolonien auch in den portugiesischen Überseegebieten die Unabhängigkeitsbewegungen, und in den frühen sechziger Jahren brachen in nahezu allen Übersee-Provinzen Aufstände gegen die portugiesische Herrschaft aus: 1961 in Angola, 1962 in Portugiesisch-Guinea und 1964 in Moçambique. Portugiesisch-Goa war 1961 von Indien annektiert worden. Portugal suchte die Aufstände und Befreiungsbewegungen mit militärischer Gewalt zu unterdrücken und führte ab etwa 1961 bis in die siebziger Jahre regelrechte Kolonialkriege, die Portugal innenpolitisch in eine schwere Krise stürzten und die außenpolitisch zunehmend auf Kritik stießen und Verurteilungen durch die UNO nach sich zogen.
1958 ließ Salazar bei den Präsidentschaftswahlen einen Gegenkandidaten zu, der jedoch dem Kandidaten der Regierung, Konteradmiral Américo Deus Rodrigues Tomás, unterlag. Tomás wurde 1965 und 1971 im Amt bestätigt. In den sechziger Jahren gab es einige Studentendemonstrationen; die politische Opposition gegen das Salazar-Regime blieb jedoch weiterhin unkoordiniert. 1968 löste Marcello das Neves Alves Caetano den schwer erkrankten Salazar im Amt des Ministerpräsidenten ab. Caetano leitete zwar eine – äußerst maßvolle – Liberalisierung des politischen Lebens in Portugal ein; gegenüber den Übersee-Provinzen führte er jedoch die restriktive Salazar-Politik weiter. "Portugal" Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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