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Geschichte Portugals : Der Aufstieg zur Weltmacht unter der Avis-Dynastie
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Johann reformierte und vereinfachte Verwaltung und Gesetzgebung, band das Bürgertum stärker in die Verwaltung ein und schuf durch die Übertragung des Besitzes des Hochadels, der infolge seiner Parteinahme für Johann I. von Kastilien das Land hatte verlassen müssen, an Bürgerliche eine neue, dem König verpflichtete und loyale Adelsschicht.

1415 eroberte Portugal in Fortsetzung der Reconquista die reiche marokkanische Handelsstadt Ceuta und leitete damit seine Expansion nach Übersee ein. In den Folgejahren trieb Johanns jüngster Sohn, Heinrich der Seefahrer, die Erkundung der afrikanischen Küste und des Atlantiks systematisch voran – ursprünglich, um für die aufstrebende Handelsmacht Portugal einen Seeweg nach Indien zu finden: 1418 wurde Madeira entdeckt und auf Betreiben Heinrichs kolonisiert, 1427 entdeckten Heinrichs Seefahrer die Azoren und 1455/56 die Kapverdischen Inseln. Unter Alfons V. (1438-1481) wurde 1471 Tanger erobert.

König Johann II. (1481-1495) führte die von Heinrich dem Seefahrer eingeleitete Erkundung der Westküste Afrikas im Interesse des portugiesischen Handels systematisch und forciert fort: Es wurden feste Stützpunkte für den Afrikahandel (vor allem Gold und Sklaven) errichtet, so etwa 1482 das Fort Elmina an der Goldküste (Ghana), das für lange Zeit die mächtigste Festung an der Goldküste mit Zugriff auf die Goldreserven im Hinterland blieb; 1488 umsegelte Bartolomeu Diaz auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien als Erster das Kap der Guten Hoffnung. Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus teilten Portugal und Kastilien 1494 im Vertrag von Tordesillas (siehe Demarkationslinie) die Welt in eine portugiesische und eine kastilische Interessensphäre ein.

Im Inneren hatte sich Johann gegen den unter König Eduard (1433-1438) und Alfons V. wieder erstarkten Adel zu behaupten; eine Adelsverschwörung beendete er durch die Hinrichtung des mächtigen Herzogs von Braganza. Unter König Emanuel I. (1495-1521) erreichte die portugiesische Expansion einen ersten Höhepunkt. 1498 erreichte Vasco da Gama, begleitet von Bartolomeu Diaz, als erster Europäer Indien auf dem Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung. Dem Entdecker folgten die Eroberer, zunächst Francisco de Almeida, dann Afonso d’Albuquerque, die vom König mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet und zu Vizekönigen in Indien ernannt worden waren.

Sie errichteten eine Reihe von Stützpunkten, sowohl Handelsniederlassungen als auch militärische Stützpunkte, und drangen über Indien hinaus nach Osten vor. 1510 brachten sie Goa in portugiesische Gewalt, das sich rasch zur bedeutendsten portugiesischen Handelsniederlassung in Indien entwickelte; 1511 eroberten sie Malacca (Melaka), das die Malaccastraße und damit den Weg zu den Gewürzinseln, den Molukken, kontrollierte; auf den Molukken selbst errichteten die Portugiesen bereits 1511 erste Stützpunkte. Portugal hatte damit den außerordentlich lukrativen Gewürzhandel weitgehend unter seiner Kontrolle; Lissabon entwickelte sich zum wichtigsten Handelszentrum für Gewürze und andere Waren aus dem Osten. In dieser Zeit eröffnete Portugal auch den Handel mit China; einen ersten Handelsposten (den ersten europäischen in China überhaupt) errichteten sie in Macao. Zugleich baute Portugal seine Niederlassungen und damit auch seine Handelsbeziehungen an den afrikanischen Küsten weiter aus. Bereits 1500 hatte Pedro Álvares Cabral Brasilien entdeckt und für die portugiesische Krone in Besitz genommen.

Parallel zur Expansion nach Übersee erlebte Portugal selbst ein „goldenes Zeitalter”, eine Zeit der wissenschaftlichen und künstlerischen Blüte (die u. a. den Emanuelstil hervorbrachte), die das Land seinem neu erworbenen Reichtum aus den überseeischen Gebieten verdankte.

Die Afrikafeldzüge Alfons V. von Portugal
Die Afrikafeldzüge Alfons V. von Portugal
Besonders die Krone profitierte von der Expansion: Der Überseehandel war königliches Monopol, die neuen Besitzungen waren Krongut. Unter Emanuel wurde Portugal jedoch auch eines nicht unerheblichen Teiles seiner Mittel- und seiner Intellektuellenschicht beraubt: Ab 1496 ließ der König auf Betreiben der spanischen Krone die altansässigen und die nach dem Ende der Reconquista in Spanien nach Portugal geflohenen Mauren sowie die Juden aus seinem Land vertreiben.
Emanuels Sohn und Nachfolger Johann III. (1521-1557) trieb die Expansion in Übersee zielstrebig voran und förderte durch das System der donatárias (lehensrechtliche Landschenkungen) systematisch die Kolonisierung Brasiliens. Im Zuge der Gegenreformation führte er 1536 in Portugal die Inquisition ein, holte außerdem die Jesuiten ins Land. Unter Johann III. waren bereits die Anfänge des Niedergangs der portugiesischen Weltmacht erkennbar: Das kleine Portugal konnte seine überseeischen Besitzungen zum Teil nur mit Mühe gegen die starke Konkurrenz aus anderen europäischen Ländern wie England und Spanien verteidigen; Teile des überseeischen Besitzes gingen schon kurz nach dem Erwerb wieder verloren. König Sebastian (1557-1578), Enkel und Nachfolger Johanns III., suchte – im Rahmen eines „Kreuzzuges” gegen den Islam – die von Johann I. eineinhalb Jahrhunderte zuvor eingeleitete Eroberung Marokkos fortzusetzen, scheiterte jedoch: Auf seiner zweiten Expedition gegen Marokko 1578 wurde er vernichtend geschlagen; er selbst und ein Teil des portugiesischen Adels wurden getötet. Mit dem Tod von Sebastians Nachfolger Heinrich endete 1580 die Avis-Dynastie. "Portugal" Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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