Geschichte der Schweiz : Schatten des 2. Weltkrieges
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Fotografien Schweiz |
Anlässlich des 50. Jahrestages des Endes des 2. Weltkrieges gestand die Schweizer Bundesregierung in Person des Bundespräsidenten Kaspar Villiger im Mai 1995 erstmals offiziell ein, dass auch die Schweiz im 2. Weltkrieg Schuld auf sich geladen habe, drückte ihr Bedauern aus und entschuldigte sich für ihr Verhalten. Als sie während des Krieges ihre Grenzen für Juden geschlossen und dadurch Tausende Juden in den sicheren Tod geschickt habe, habe sich die Schweiz zu sehr von ihrer Angst vor Deutschland und vor einer „Überfremdung” des eigenen Landes leiten lassen anstatt von humanitären Grundsätzen. 1996 setzte der Bundesrat auf der Grundlage eines Nationalrats-Beschlusses eine unabhängige Expertenkommission ein, die so genannte Bergier-Kommission, die dem Schicksal und dem Umfang von Vermögenswerten nachspüren sollten, die Opfer des nationalsozialistischen Regimes in der Schweiz deponiert hatten und die das nationalsozialistische Deutsche Reich größtenteils in Form von Gold in die Schweiz transferiert hatte. Zugleich wurde das schweizerische Bankgeheimnis suspendiert, soweit es für die entsprechenden Untersuchungen erforderlich war. |
Mit ihrer Bereitschaft zu rückhaltloser Aufklärung über ihre Rolle als Finanzplatz für das Dritte Reich und des Schicksals der nachrichtenlosen Konten von NS-Opfern beugte sich die Schweiz zunehmender Kritik und zunehmendem Druck aus dem Ausland, insbesondere aus den USA, und sie suchte ihr durch die Vorwürfe der Kooperation mit dem NS-Regime schwer angeschlagenes internationales Ansehen wiederherzustellen. |
Im März 1997 richtete die Schweizer Regierung einen Spezialfonds zugunsten bedürftiger Opfer des Holocaust ein, den vier Schweizer Großbanken, darunter die Schweizer Nationalbank, sowie weitere Wirtschaftsunternehmen mit 265 Millionen Schweizer Franken ausstatteten. Im Juli 1997 erfolgte eine erste Zahlung aus dem Fonds an bedürftige Holocaust-Überlebende bzw. ihre Nachkommen. Ebenfalls im Juli 1997 veröffentlichten die Schweizer Banken eine Liste mit etwa 1 800 Namen von Inhabern seit 1945 nachrichtenloser Konten; bei den Kontoinhabern handelte es sich vermutlich um Opfer des NS-Regimes. Der im Mai 1997 veröffentlichte Bericht einer amerikanischen Untersuchungskommission, der Eizenstat-Bericht, kam zu dem Ergebnis, dass die |
Schweiz der „Hauptbankier des Nazi-Regimes” gewesen sei – ein Ergebnis, das auch von dem ersten Zwischenbericht der Bergier-Kommission untermauert wurde. Laut der Bergier-Kommission wickelte die Reichsbank fast 80 Prozent ihrer Goldlieferungen (einschließlich großer Mengen Raubgoldes) ins Ausland über die Schweiz ab. Der Vorwurf, die Schweiz habe das nationalsozialistische Regime wirtschaftlich aktiv unterstützt, konnte jedoch entkräftet werden. |
Die Untersuchungsergebnisse, die die bislang totgeschwiegene Rolle der Schweiz zur Zeit des Dritten Reiches grell beleuchteten und alle Vermutungen über den Umfang der Schweizer Verstrickungen um ein Vielfaches übertrafen, entfachten in der Schweiz neben großer Betroffenheit heftige Diskussionen über Schuld und Verantwortung der Schweiz und stellten ihr Prinzip der Neutralität in Frage. Angesichts der Stimmung im eigenen Land, vor allem aber angesichts der sich häufenden Forderungen und Klagen jüdischer Organisationen und Einzelpersonen erklärten sich die Schweizer Großbanken im August 1998 schließlich bereit, eine Gesamtabfindung in Höhe von 1,25 Milliarden US-Dollar zu zahlen, mit der alle jüdischen Ansprüche an Schweizer Banken und Unternehmen und an den Schweizer Staat pauschal abgegolten werden sollten. |
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Kaspar Villiger |
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