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Geschichte Australiens : Selbstbestimmung der australischen Kolonien
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Die Übertragung einer größeren Autonomie auf die australischen Kolonien in den späten vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde durch die Einführung des freien Handels mit Großbritannien gefördert. 1850 erhielten die östlichen Kolonien neue Verfassungen, die ihnen die verantwortungsbewusste politische Selbstbestimmung und Eigenverwaltung zugestanden. Victoria, South Australia und Van Diemen’s Land (ab 1853 Tasmanien) erhielten Legislativräte, deren Mitglieder zu zwei Dritteln aus Wahlen hervorgehen mussten. In New South Wales war diese Regelung bereits 1842 eingeführt worden. Mitte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts strukturierte jede der ostaustralischen Kolonien ihr Regierungssystem neu. Das System der unentgeltlichen Landschenkungen war in Australien bereits 1831 beendet und durch den regulären Verkauf von Boden ersetzt worden. Die aus der Umstrukturierung der Regierungen hervorgegangenen Systeme verliehen einem Kabinett oder Ministerrat Amtsgewalt. Sie mussten sich gegenüber dem Unterhaus eines Zweikammerparlaments verantworten. Die Mitglieder des Unterhauses wurden durch Wahlen ermittelt.

Selbstbestimmung der australischen Kolonien
Im April 1851 entdeckte Edward Hargraves am Summer Hill Creek im mittleren Osten von New South Wales Gold. Mit der Erinnerung an den Goldrausch in Kalifornien im Hinterkopf strömten zahllose Menschen sehr schnell vor allem nach Mount Alexander, Ballarat und Bendigo in Victoria. Später stieß man auch an anderen Orten in New South Wales und Queensland auf Gold. In den folgenden zehn Jahren exportierte Australien allein Gold im Wert von über 124 Millionen Pfund Sterling. Bis 1861 war die Zahl der Siedler in Australien von ursprünglich 400 000 im Jahr 1850 um das Dreifache auf nahezu 1,2 Millionen Menschen angestiegen.

Die große Zuwanderung wurde von den Koloniesiedlern mit Argwohn verfolgt. Höchste Brisanz lieferte der starke Zustrom chinesischer Einwanderer, die ebenfalls dem Lockruf des Goldes folgten. Vor diesem Hintergrund erließ Victoria 1856 eine Einwanderungsbeschränkung, die nur für Chinesen galt. Diese „White Australia Policy” gipfelte schließlich in einem generellen Einwanderungsverbot für Nichteuropäer.

Vor dem Eintreffen der Europäer lebten schätzungsweise 300 000 bis eine Million Ureinwohner auf dem australischen Kontinent, die etwa 500 Stämme bildeten und sich nicht nur in ihren Sprachen, sondern auch in ihren Kulturen unterschieden. Die Errichtung der Siedlung von Phillip im Jahr 1788 kennzeichnete den Beginn eines regelmäßigen Kontakts zwischen Europäern und den Aborigines.

Obwohl vielen Aborigines das Land in der Umgebung von Sydney als Lagerstätte und Jagdrevier diente, kam es in der ersten Dekade der Besiedlung durch Weiße nur zu einigen wenigen Konfrontationen.

Im Prinzip forderte die offizielle Kolonialpolitik im 19. Jahrhundert, dass Aborigines als Gleichgestellte zu behandeln seien. Dies geschah jedoch nur mit dem Hintergedanken, sie später zum Christentum zu bekehren und in die europäische Zivilisation einzugliedern. Die gegensätzlichen Kulturen kollidierten besonders unerbittlich an der Siedlungsgrenze, die die Viehzüchter auf der Suche nach neuem Weideland immer weiter landeinwärts vorantrieben. Einige Aborigines arbeiteten in Schafzuchtbetrieben, andere wurden als Polizeiwachen eingesetzt. Aber die Gesamteinstellung der Siedler des 19. Jahrhunderts gegenüber den australischen Ureinwohnern wird durch die Tatbestände verdeutlicht, dass Siedler regelrechte Jagden auf Aborigines veranstalteten und Frauen entführten und vergewaltigten. Die bewusste Zerstörung und Verleugnung der Kultur der australischen Ureinwohner auf regionaler und Kolonialebene wurde häufig von einer Politik der Rassentrennung begleitet. Die Aborigines wurden aus den fruchtbaren Gebieten in unfruchtbare verdrängt und in Reservaten zusammengepfercht, wo viele von ihnen an Hunger oder an Seuchen starben. Bei der Besiedlung der Insel Van Diemen’s Land (Tasmanien) begann man mit der großflächigen Zerstörung von Gemeinschaften der dort ansässigen Ureinwohner. Die ursprünglich 5 000 australischen Ureinwohner der

Goldrausch
Goldrausch
Insel wurden trotz der offiziellen britischen Schutzpolitik von den vordringenden Siedlern innerhalb kürzester Zeit dezimiert und schließlich ausgerottet.

Der Gedanke eines Zusammenschlusses der australischen Kolonien erfolgte spät, war jedoch bereits 1847 in Vorschlägen von Earl Grey aufgetaucht, der damals das Amt des britischen Ministers für Kolonialangelegenheiten innehatte. Nur wenige Jahre später rief John Dunmore Lang, ein Geistlicher der schottischen presbyterianischen Kirche, die Australische Liga (Australian League) ins Leben, die sich für eine Vereinigung der australischen Kolonien einsetzte. Bei Konferenzen erörterten die Regierungsvertreter der Kolonien in den sechziger Jahren ebenfalls eine engere Zusammenarbeit und den Zusammenschluss. Mit der Bildung des kanadischen Dominions 1867 erwarteten die britischen Amtsträger ähnliche Anstrengungen seitens der Australier. Der Zusammenschluss blieb jedoch zunächst aus. 1885 wurde schließlich der australische Bundesrat gegründet. Da sich aber New South Wales der Beteiligung verweigerte, blieb der Rat lediglich ein Diskussionsforum ohne wirkliche Exekutivgewalt. Um 1889 kündigte der Premierminister von New South Wales, Sir Henry Parkes, an, dass die Kolonie eine neue Art von Föderalismus unterstützen werde. Auf einer Konferenz in Sydney wurden 1891 die ersten Grundlagen für eine verfassunggebende Zusammenkunft gelegt. Der Zusammenschluss sollte allerdings nicht vor 1897 stattfinden. Es folgten weitere politische Diskussionen. Besonders Alfred Deakin trieb in dieser Zeit den nahenden Zusammenschluss voran. Schließlich brachten Volksentscheide in allen sechs Kolonien ein positives Ergebnis: Die Gesamtbevölkerung sprach sich für das Vorhaben aus. Der Australische Bund (Commonwealth of Australia) wurde 1900 vom britischen Parlament bestätigt und trat am 1. Januar 1901 offiziell in Kraft. "Australien," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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