Geschichte Portugals : Spanisches Interregnum
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Fotografien Portugal |
Nach Heinrichs Tod konkurrierten mehrere Anwärter um die portugiesische Krone. Noch 1580 besetzte Philipp II. von Spanien, über seine Mutter Isabella von Portugal ein Enkel Emanuels I., Portugal, und 1581 wurde er von den portugiesischen Cortes als Philipp I. (1581-1598) zum König proklamiert. Unter Philipp II. blieb die Verbindung mit Spanien weitgehend auf die Personalunion beider Kronen beschränkt; Portugal blieb ein eigenständiger Staat mit eigener Verwaltung und Gesetzgebung, verwaltete auch weiterhin die überseeischen Besitzungen, die allerdings (formal) an Spanien kamen. Unter Philipps II. Nachfolgern Philipp III. und Philipp IV. (Philipp II. und Philipp III. von Portugal) änderte sich dies: Beide, vor allem aber Philipp IV. und sein Minister Graf von Olivares suchten Portugal zu einer Provinz Spaniens zu degradieren, was bei den Portugiesen erheblichen Unmut auslöste. Hinzu kam, dass Portugal nun durch seine Verbindung mit Spanien bzw. den Habsburgern in deren Kriege gegen die unabhängig gewordenen Niederlande und gegen Frankreich verwickelt wurde, was zum einen den Verlust wichtigen Kolonialbesitzes wie der Molukken und Malaccas und damit auch den Verlust der Kontrolle des Ostindienhandels zur Folge hatte; |
zum anderen wurde nun auch Portugal zur Finanzierung der spanischen, habsburgischen Kriege herangezogen, d. h. mit hohen Steuern belegt. Zwei Aufstände gegen die spanische Herrschaft 1634 und 1637 scheiterten. In einem dritten Aufstand 1640 unter der Führung Herzog Johanns II. von Braganza stürzten die Portugiesen die spanische Herrschaft in Portugal; Herzog Johann wurde als Johann IV. (1640-1656) zum König gekrönt. Seine Dynastie, das Haus Braganza, regierte in Portugal bis zur Abschaffung der Monarchie 1910. |
Es dauerte jedoch noch bis 1668, bis Portugal sich mit englischer und französischer Unterstützung endgültig von den Spaniern befreit hatte und Spanien im Frieden von Lissabon die Unabhängigkeit Portugals und den portugiesischen Kolonialbesitz anerkannte. Johann IV. erneuerte und bekräftigte die traditionelle Verbindung mit England und schloss einen Vertrag mit Frankreich. 1654 gelang ihm im Bündnis mit England während des 1. Englisch-Niederländischen Seekrieges die Rückeroberung Brasiliens, das die Niederländer 1630 besetzt hatten. Brasilien entwickelte sich nun, nach dem Verlust ostindischer Kolonien und dem Rückgang des Ostindienhandels, zum wichtigsten und vor allem ertragreichsten Kolonialbesitz Portugals: Rohrzucker und, ab Anfang des 18. Jahrhunderts, vor allem Gold und Diamanten wurden nun zur Grundlage von Portugals Reichtum. |
Unter Johanns Nachfolgern Alfons VI. (1656-1667/83) und Peter II. (1667/83-1706) erreichte Portugal u. a. dank seiner reorganisierten Armee und seiner verstärkten Flotte und dank seiner Bündnisse mit England und Frankreich die völlige staatliche Unabhängigkeit von Spanien, drohte nun aber allmählich wirtschaftlich und politisch unter englische und französische Hegemonie zu geraten. Peter II. suchte durch den gezielten Ausbau der produzierenden Wirtschaft (Manufakturen; Siehe auchMerkantilismus) Portugal von Importen weitgehend unabhängig zu machen; mit dem Abschluss des Methuen-Vertrages mit England 1703 fand diese Politik vorerst ein Ende. Der Methuen-Vertrag erlaubte England den zollfreien Import von Textilien nach Portugal, Portugal lieferte im Gegenzug Wein; bald importierte England auch Manufakturwaren und schließlich Industrieprodukte in großem Umfang, die Portugal mit Gold und Diamanten aus Brasilien bezahlte. Das stetig zunehmende Handelsvolumen bedeutete für England eine Stärkung seiner Wirtschaftsmacht; Portugal dagegen begab sich mehr und mehr in die wirtschaftliche Abhängigkeit von England. |
Mit dem Methuen-Vertrag erneuerte Portugal zugleich das politische Bündnis mit England: Hatte Portugal zunächst auf der Seite Frankreichs am Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1713/14) teilgenommen, wechselte es nun auf die Seite Englands bzw. der Großen Allianz. Unter Johann V. (1706-1750) erlebte Portugal ein zweites „goldenes Zeitalter”: Gold und Diamanten aus Brasilien erlaubten eine großzügige Förderung von Kunst und Wissenschaften und die Ausgestaltung des absolutistischen Systems, die sich u. a. in prachtvollen Bauwerken manifestierte. Joseph I. (1750-1777) revidierte die Politik seines Vaters Johann V. im Sinne des aufgeklärten Absolutismus; Exponent der neuen Reformpolitik war der Marquês de Pombal, Erster Minister des Königs. Pombal leitete den Wiederaufbau des 1755 von einem Erdbeben zerstörten |
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Herzog von Wellington |
Lissabon, nahm den von Peter II. eingeleiteten wirtschaftspolitischen Kurs in Richtung auf eine größere wirtschaftliche Selbständigkeit Portugals mit Erfolg wieder auf, drängte den Einfluss von Kirche und Adel zugunsten der Staatsgewalt zurück und reformierte mit teilweise rigiden Methoden Bildungs-, Rechts-, Finanz- und Heerwesen. 1759 verbot er in Portugal und den Kolonien den Jesuitenorden, der seinen Reformen Widerstand entgegengesetzt hatte (1773 löste der Papst auf Pombals Betreiben den Orden vollends auf), und schließlich schaffte er die Sklaverei in Portugal ab und stellte die indigene Bevölkerung in den Kolonien rechtlich den Portugiesen (nominell) gleich. Nach dem Regierungsantritt Marias I. (1777-1816) wurde Pombal auf Betreiben seiner Gegner entlassen, sein Reformwerk wurde größtenteils rückgängig gemacht. |
Während der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich hielt Portugal an seinem Bündnis mit England fest, schloss sich folglich auch nicht der Kontinentalsperre gegen England an, woraufhin 1807 französische Truppen Portugal besetzten. Der portugiesische Hof flüchtete nach Brasilien und kehrte erst 1820 wieder nach Portugal zurück, obwohl schon 1811 ein britisches Heer unter Wellington die Franzosen aus Portugal verdrängt hatte. 1815 wurde Brasilien gleichberechtigtes Königreich neben Portugal. 1816 folgte Johann VI. (1816-1826) seiner Mutter Maria in beiden Königreichen nach; Portugal regierte er, der sich noch in Brasilien aufhielt, durch einen Kronrat. Bei seiner Rückkehr nach Portugal 1821 ließ er seinen Sohn Dom Pedro als Regenten in Brasilien zurück. "Portugal" Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 |
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