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Geschichte von Russland : Tschetschenien-Konflikt
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Im Oktober 2002 nahmen etwa 50 schwer bewaffnete tschetschenische Terroristen in einem Moskauer Musicaltheater etwa 800 Besucher als Geiseln und drohten mit der Sprengung des Gebäudes. Als Gegenleistung für die Freilassung der Geiseln forderten sie das Ende des Krieges und den Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien. Nach drei Tagen stürmten Spezialeinheiten des russischen Geheimdienstes unter Einsatz eines Betäubungsgases das Theater. Dem giftigen Gas fielen 41 der Terroristen, aber auch 129 Geiseln zum Opfer. Putin verschärfte nach der Beendigung des Geiseldramas den Tonfall gegenüber Tschetschenien, lehnte Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Konflikts weiterhin strikt ab und kündigte massive Vergeltung für die Geiselnahme an. Als Zugeständnis an Tschetschenien und in der Hoffnung, die Lage in Tschetschenien dadurch beruhigen zu können, ließ die russische Regierung im Oktober 2003 in Tschetschenien einen neuen Präsidenten wählen. Diese Wahl, die von vielen Seiten als undemokratische Farce bezeichnet wurde, gewann – wie zu erwarten war – der Kandidat des Kreml, Ahmed Kadyrow. Zuvor hatten die Tschetschenen in einer Volksabstimmung eine – ebenfalls von der russischen Regierung diktierte – Verfassung angenommen, die Tschetschenien als „unabtrennbaren Teil der Russischen Föderation” definiert.

Kadyrow kam im Mai 2004 durch ein Attentat vermutlich tschetschenischer Terroristen ums Leben. Zu seinem Nachfolger wurde am 29. August 2004 mit Alu Alchanow wieder der Kandidat der russischen Regierung gewählt; aussichtsreiche Mitbewerber um das Präsidentenamt waren von den Wahlen ausgeschlossen worden.

Im Umfeld der Wahlen in Tschetschenien wurde Russland von mehreren schweren Terroranschlägen erschüttert: Am 24. August 2004 stürzten fast zeitgleich zwei Passagierflugzeuge ab; 89 Menschen kamen dabei ums Leben. Es waren vermutlich zwei tschetschenische Selbstmordattentäterinnen, die die Flugzeuge zum Absturz gebracht hatten. Eine Woche später riss eine weitere tschetschenische Selbstmordattentäterin in Moskau zehn Menschen mit sich in den Tod. Und am 1. September 2004 brachten über 30 Terroristen in einer Schule in der Stadt Beslan in Nordossetien mehr als 1 000 Schulkinder und Erwachsene als Geiseln in ihre Gewalt. Zwar beteuerte Putin, das Leben der Geiseln keinesfalls aufs Spiel setzen zu wollen; dennoch wurde am 3. September die Schule von russischen Sicherheitskräften gestürmt, was nahezu zwangsläufig in ein entsetzliches Blutbad ausartete: 331 Geiseln kamen bei dieser Aktion ums Leben.

Neben dem offensichtlichen Versagen der Sicherheitsdienste im Vorfeld und dem schlechten Krisenmanagement während der Geiselnahme wurde vor allem auch die mangelhafte Informationspolitik der russischen Regierung scharf kritisiert: Angaben über die Zahl der Geiseln, die Herkunft der Terroristen, die Hintergründe der Erstürmung der Schule und über die Zahl der Opfer waren widersprüchlich und zum Teil falsch. Auch über die Forderungen der Geiselnehmer wurde nichts Genaues bekannt: Verlangten sie den Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien oder die Freilassung tschetschenischer Rebellen oder gingen ihre Forderungen noch weiter? Waren sie zu Verhandlungen bereit oder nicht?

Als Drahtzieher der Geiselnahme wurden der ehemalige tschetschenische Präsident Aslan Maschadow sowie der Radikale Schamil Bassajew, kurzzeitig Ministerpräsident von Tschetschenien und verantwortlich für eine Reihe früherer Anschläge, genannt; Maschadow jedoch distanzierte sich nachdrücklich von der Geiselnahme. Einer öffentlichen Untersuchung der Geiselnahme und ihres blutigen Endes durch eine parlamentarische Kommission (wie sie etwa nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA und vom 11. März 2004 in Madrid eingesetzt wurden) stimmte Putin nach anfänglicher strikter Ablehnung schließlich zu. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass Versäumnisse und Inkompetenz der Sicherheitskräfte sowohl vor als auch während der Geiselnahme und der Erstürmung der Schule die Katastrophe erst ermöglicht bzw. ihr Ausmaß verschlimmert hätten. Der einzige überlebende Geiselnehmer wurde im Mai

Aslan Maschadow
Aslan Maschadow
2006 zu lebenslanger Haft verurteilt; der mutmaßliche Drahtzieher Bassajew, Russlands „Staatsfeind Nummer eins”, kam im Juli 2006 in Inguschetien ums Leben, nach Angaben der russischen Regierung durch eine Spezialoperation der Geheimdienste. "Russland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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