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Die Vierte Republik in Frankreich
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Nach ihrem Einzug in Paris nahm die provisorische Regierung ihre Arbeit auf. Am 21. Oktober 1945 wurde de Gaulle von der Konstituanten (verfassunggebenden Versammlung) zum Ministerpräsidenten und vorläufigen Staatspräsidenten gewählt. Bereits im Januar 1946 trat er wieder zurück, da er sich in der Verfassungsfrage mit seinem Vorschlag eines starken Präsidialsystems nicht hatte durchsetzen können. Mit der Annahme der Verfassung durch die Bevölkerungsmehrheit im Oktober 1946 löste die Vierte Republik die provisorische Regierung ab; zugleich wurde mit der neuen Verfassung das Verhältnis zwischen französischem Mutterland und Kolonien auf eine neue Grundlage gestellt (siehe Französische Union). Erster Präsident der Vierten Republik wurde Vincent Auriol (1947-1954); zweiter und letzter war René Coty (1954-1959).

Bis 1947 setzte sich die Regierung vor allem aus Sozialisten, Kommunisten und Volksrepublikanern zusammen. Ihre vordringlichen innenpolitischen Aufgaben waren der Wiederaufbau von Wirtschaft und Gesellschaft sowie die juristische Verfolgung der Kollaborateure. Die bedeutendsten ihrer wirtschafts- und sozialpolitischen Reformen waren die Verstaatlichung von Grundstoffindustrien, von Großbanken und Versicherungsgesellschaften, Schifffahrts- und Fluggesellschaften, die Einrichtung von Betriebsräten, die Schaffung eines weitreichenden Sozialversicherungssystems sowie die Umsetzung umfassender Entwicklungs- und Modernisierungsprogramme, die unter der Leitung von Jean Monnet ausgearbeitet wurden.

Aufgrund von Differenzen u. a. hinsichtlich der Indochina-Politik und im Zuge des sich verschärfenden Ost-West-Konflikts wurden die Kommunisten 1947 aus der Regierung ausgeschlossen. In der Folgezeit regierten Koalitionen der „dritten Kraft” (Volksrepublikaner, Sozialisten, Radikalsozialisten und gemäßigte Linke) – bis 1951 relativ stabil; dann aber machten sich die zunehmende Parteienzersplitterung, das Erstarken von Oppositionskräften wie etwa de Gaulles 1947 gegründete ParteiRassemblement du Peuple Français (RPF) sowie Differenzen zwischen den Regierungsparteien in häufigen Regierungswechseln bemerkbar: Zwischen 1951 und 1958 wechselten zwölf verschiedene Kabinette einander ab.

Wichtigstes außenpolitisches Ziel war die Etablierung Frankreichs als gleichberechtigte Macht sowohl in allen das besiegte Deutschland betreffenden Fragen wie auch in der internationalen Diplomatie insgesamt.

Bereits im Februar 1945 hatte Frankreich seine Aufnahme in den Alliierten Kontrollrat und damit seine Teilnahme an der Besetzung Nachkriegsdeutschlands und -österreichs erreicht. Die Anerkennung Frankreichs als vierte Besatzungsmacht kam zugleich dem französischen Sicherheitsbedürfnis gegenüber Deutschland entgegen.

Die gleichberechtigte Teilnahme an der internationalen Diplomatie erreichte Frankreich durch seine Aufnahme als eines der fünf ständigen Mitglieder in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Im Zuge der Verschärfung des Kalten Krieges verabschiedete sich Frankreich von einem eigenständigen außenpolitischen Kurs zwischen den Blöcken und integrierte sich in das westliche Bündnissystem und trieb u. a. im Interesse einer sicherheits- und wirtschaftspolitischen Einbindung Deutschlands in die westliche Staatengemeinschaft die europäische Einigung voran: 1949 war Frankreich an der Gründung der NATO beteiligt, im selben Jahr an der Gründung des Europarates, 1951 an der Gründung der Montanunion und 1957 an der Gründung der EWG (siehe Europäische Union) und der EURATOM. Die von Frankreich mitinitiierte Europäische Verteidigungsgemeinschaft scheiterte allerdings am Einspruch Frankreichs selbst.

Jean Monnet
Jean Monnet
Hinsichtlich seiner Überseegebiete hingegen agierte die Vierte Republik äußerst glücklos: Nach der Niederlage bei Dien Bien Phu 1954 musste Frankreich den seit 1946 andauernden Indochinakrieg endgültig verlorengeben, Indochina in die Unabhängigkeit entlassen und der Teilung Vietnams zustimmen. 1956 entließ Frankreich Marokko und Tunesien in die Unabhängigkeit. Im selben Jahr intervenierte Frankreich erfolglos in Ägypten mit dem Ziel, die Verstaatlichung des Suezkanals zu revidieren.
Seit 1954 bekämpfte Frankreich im Algerienkrieg die algerische Befreiungsfront Front de Libération Nationale (FLN), um Algerien als Teil des französischen Staates zu erhalten. Die Krise um Algerien führte im Mutterland zu heftigen innenpolitischen Kontroversen, die schließlich in einer Staatskrise mündeten, und in Algerien selbst zu Putschdrohungen der französischen Streitkräfte. In dieser Situation wählte die Nationalversammlung am 1. Juni 1958 de Gaulle zum Ministerpräsidenten und stattete ihn mit umfangreichen Vollmachten zur Beendigung der Staatskrise aus. "Frankreich" Microsoft® Encarta
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