Die Wirtschaft von Russland
|
Fotografien Russland |
Wie in den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, wurde auch die Wirtschaft in Russland durch die Auflösung der UdSSR empfindlich getroffen. Ökonomisch gesehen stand das Land 1990/91 kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das große Staatsdefizit nimmt rund ein Fünftel des gesamten Bruttoinlandsproduktes ein, wobei Ähnliches für die ebenfalls hohe Auslandsverschuldung gilt (1996 fast 125 Milliarden US-Dollar). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2006 bei 986 940 Millionen US-Dollar. Die Gründe für die russische Wirtschaftskrise liegen in der Zerstörung traditioneller Handelsmuster und in der verzögerten Durchführung von Wirtschaftsreformen. Der Handel zwischen Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken litt häufig unter Streitigkeiten wegen der Austauschrelationen (siehe Terms of Trade), besonders hinsichtlich des Preises für russische Erdölexporte. Sich überschneidende Besitzansprüche verschiedener staatlicher Verwaltungsebenen innerhalb Russlands haben die Ausübung von Geschäften mit Russland noch schwieriger gemacht. |
Marktreformen, die Präsident Jelzin und andere Befürworter Anfang 1992 noch vehement vorantrieben, trafen bei Industriemanagern und Konservativen auf großen Widerstand. Trotz der Proteste von Regierungsvertretern gewährte die Zentralbank Russlands 1992 hohe Subventionszahlungen an nicht rentable Unternehmen, die die Inflation weiter in die Höhe trieben und das Haushaltsdefizit vergrößerten. Ende 1993 war etwa ein Drittel aller Staats- und Kommunalunternehmen privatisiert worden, aber dieser Prozess hing in großem Maß von der Unterstützung durch lokale Funktionäre ab. |
Die Privatisierung schritt in einigen Städten, z. B. in Nishnij Nowgorod, Sankt Petersburg und Jaroslawl, viel schneller voran als in anderen Teilen des Landes. Darüber hinaus war der rechtliche Rahmen für Privatisierungen unvollständig. Der private Besitz, Verkauf und die Vermietung von Grund und Boden wurde erst im Oktober 1993 erlaubt, als Präsident Jelzin einen Regierungserlass herausgab, der ein zehnjähriges Moratorium auf den Wiederverkauf von Land aufhob. Der Übergang von der zentral gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft gestaltet sich weiterhin schwierig. Dies zeigt sich exemplarisch an dem Erdölkonzern Yukos, der sich vom ehemaligen Staatsunternehmen zu einem erfolgreich agierenden Privatunternehmen entwickelte und nach seiner Zerschlagung erneut unter staatliche Kontrolle kam. |
Yukos entstand im April 1993 im Zuge der Privatisierung von staatlichen Erdölfirmen der ehemaligen Sowjetunion. Bis 2003 hatte sich Yukos zum größten privaten Erdölkonzern Russlands entwickelt. Weltweites Aufsehen erregte im September 2003 die Verhaftung des Vorstandsvorsitzenden Michail Chodorkowskij wegen Betrugs und Steuerhinterziehung. Anschließend beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft 44 Prozent der Yukos-Aktien. Die starken Kursverluste der noch gehandelten Anteilsscheine machten es Yukos unmöglich, durch Veräußerung eigener Aktienpakete die von den Behörden geforderten Steuernachzahlungen in Höhe von umgerechnet mehreren Milliarden Euro zu leisten. |
Verhaftet wurde Chodorkowskij, der reichste Mann in Russland, nach Ansicht von Beobachtern vermutlich vor allem deshalb, weil er die Opposition gegen Staatspräsident Putin unterstützte. Das Urteil gegen Chodorkowskij – neun Jahre Lagerhaft –, das im Mai 2005 erging, wurde von vielen Seiten als politisches Urteil und der vorangegangene Prozess als unfair gewertet. Im Dezember 2004 wurde das Yukos-Tochterunternehmen Yuganskneftegas, auf das rund 60 Prozent der Erdölförderung von Yukos entfallen, bei einer Zwangsversteigerung an die bis dahin unbekannte BaikalFinansGroup verkauft. Diese Investorengruppe übernahm damit weit mehr als die Hälfte des Kerngeschäfts von Yukos, weshalb dieser Schritt der Zerschlagung des Mutterkonzerns gleichkam. |
![]() |
Kaufhaus GUM in Moskau. Encarta |
Wenige Tage später erfolgte die Übernahme der BaikalFinansGroup durch den staatlichen Erdölkonzern Rosneft. Damit hatte der Staat nach Aufspaltung des Konzerns Yukos die Kontrolle über dessen Kerngeschäft übernommen. |
Ein brisantes Problem für die Wirtschaft Russlands stellt die organisierte Kriminalität dar. Angaben des russischen Innenministeriums zufolge werden schätzungsweise über 40 000 Firmen von mafiaähnlichen Organisationen kontrolliert, darunter auch Banken und Staatsbetriebe. |
![]() |
Die Gesamtzahl der Beschäftigten beträgt 73,5 Millionen (2006). 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeiteten 2005 in der Industrie. In der Landwirtschaft waren 10 Prozent, im Handel- und Dienstleistungsbereich 22 Prozent und im Regierungs- sowie Verwaltungsapparat nochmals 22 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Die Arbeitslosenquote wird auf 7,9 Prozent geschätzt (2004). Die Organisation der Arbeit hat sich seit der Sowjetzeit nicht sehr verändert. Die Gewerkschaften werden von Organisationen beherrscht, die Nachfolger der offiziellen kommunistischen Gewerkschaften der UdSSR sind. Ihre oberste Organisation, die Föderation Unabhängiger Gewerkschaften (die russische |
Fang von Stören im Kaspischen Meer. Encarta |
Abkürzung ist FNPR), hat 50 Millionen Mitglieder, das entspricht fast 70 Prozent der Gesamtarbeiterschaft. Im Gegensatz dazu haben Gewerkschaften, die nicht dem FNPR angeschlossen sind, weniger als eine halbe Million Mitglieder. Die FNPR-Gewerkschaften haben aus der Sowjetzeit einige Befugnisse bewahrt, darunter die Kontrolle über die Mittel der Sozialversicherung, die Berechtigung, automatisch Gewerkschaftsbeiträge von der Gehaltsabrechnung der Arbeiter einzubehalten, sowie das Recht, gegen Entlassungsvorschläge des Managements Einspruch einzulegen. Die Regierung hat versucht, diese Befugnisse der Gewerkschaften zu reduzieren, doch das veranlasste die meisten der FNPR-Gewerkschaften dazu, die konservative Opposition politisch zu unterstützen. Darüber hinaus etablierte die FNPR eine enge Verbindung zum Industriemanagement, die der Verbindung zwischen Arbeiterschaft und Management in der Sowjetzeit gleicht. "Russland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 http://de.encarta.msn.com © 1997-2009 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
![]() Benutzerdefinierte Suche
|