Geschichte Tunesiens : Wirtschaftswunder und innenpolitische Krise
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Fotografien Tunesien |
Mehrmalige Grenzverletzungen durch die Franzosen während des Algerienkrieges belasteten unterdessen seit 1957 die Beziehungen zwischen Tunesien und seiner ehemaligen Schutzmacht. Zu einer ernsthaften Krise kam es, als französische Kampfflugzeuge 1958 das tunesische Dorf Saqiyat Sidi Yusuf an der Grenze zu Algerien angriffen und 68 Zivilisten töteten. Nach einer Phase der Entspannung, in der sogar ein Abkommen über Technologietransfers aus Frankreich unterzeichnet wurde, folgte 1961 eine erneute Konfrontation. Ausgelöst wurde sie durch die Weigerung der Franzosen, ihren Marinestützpunkt in Bizerte zu räumen. Am 19. Juli 1961 durchbrachen französische Truppen einen Belagerungsring, den tunesische Streitkräfte um den Stützpunkt gezogen hatten, und töteten bei den Kämpfen 1 300 Tunesier. Beide Seiten akzeptierten zwar einen Waffenstillstand, den der UN-Sicherheitsrat per Resolution am 22. Juli gefordert hatte, doch die Franzosen ließen sich mit ihrem endgültigen Truppenrückzug aus Bizerte noch mehr als zwei Jahre Zeit. |
Wirtschaftspolitisch experimentierte die Regierung Bourguiba in den sechziger Jahren mit Reformen, die deutliche sozialistische Züge trugen. Im Mai 1964 beschloss die Nationalversammlung die Enteignung ausländischer – das hieß überwiegend französischer – Grundbesitzer, die in Tunesien insgesamt 300 000 Hektar Land besaßen. Als Frankreich daraufhin Tunesien die finanzielle Unterstützung entzog, stürzte das Land in eine schwere Wirtschaftskrise. Bei den Wahlen im November 1964 trat die Néo-Destour-Partei unter neuem Namen als Parti Socialiste Destourien an. Abermals sicherte sie sich sämtliche Sitze in der Nationalversammlung, und Präsident Bourguiba erhielt ohne einen Gegenkandidaten 96 Prozent der Stimmen. |
Ein ähnliches Ergebnis brachten die Wahlen im November 1969, in deren Vorfeld sich Bourguiba durch Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit ermöglicht hatte. Unterdessen verabschiedete sich die Regierung vom Sozialismus und verfolgte von nun an einen wirtschaftsliberalen Kurs nach westlichem Vorbild. Ihr 1972 aufgestellter Zehnjahresplan sah u. a. eine Dezentralisierung der Industrie und die Förderung des Tourismus vor. Nicht zuletzt die Ausbeutung von Erdölvorkommen bescherte Tunesien einen wirtschaftlichen Aufschwung – und Bourguiba in Anerkennung seiner Leistungen im März 1975 die Ernennung zum Präsidenten auf Lebenszeit. Doch Mitte der siebziger Jahre beendete eine Rezession das tunesische Wirtschaftswunder. Steigende Arbeitslosenraten führten zu Streikwellen, Unruhen unter den Studenten und Bauern verschärften die Lage, und ab 1978 kam es immer wieder zu blutigen Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften. Die Regierung reagierte mit zunehmender Härte gegen oppositionelle Kräfte. Eine Verdoppelung der bis dahin stark subventionierten Preise für Grundnahrungsmittel führte 1984 zu landesweiten Protesten, die mit Hilfe des Militärs blutig unterdrückt wurden. "Tunesien," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009 |
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Medina von Tunesien. Bild E. Buchot |
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