Das Zweite Kaiserreich in Frankreich
|
Fotografien Frankreich |
Zwar existierten im Zweiten Kaiserreich auch weiterhin aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Parlamente; eine wirksame Kontrolle der Regierung fand jedoch nicht mehr statt. Gestützt auf Kirche, Armee und Polizeiapparat, der jegliche Opposition unterdrückte und u. a. mittels Pressezensur die öffentliche Meinung kontrollierte, errichtete Napoleon III. eine plebiszitäre Diktatur und regierte nahezu autokratisch. Aus Furcht vor neuerlichen sozialistischen Unruhen oder Revolutionen akzeptierte das Volk diese autoritäre Herrschaft. Um durch Arbeitsbeschaffung die Arbeiterschaft ruhigzustellen, leitete Napoleon umfangreiche Bauprogramme ein, so etwa die großzügige Neugestaltung der Hauptstadt Paris durch den Baron Haussmann. Die Wirtschaft florierte, Frankreich wurde zu einer der führenden und kapitalstärksten Industrienationen. Seine Prosperität bewies Frankreich auf den Weltausstellungen 1855 und 1867 in Paris. |
Außenpolitisch suchte Napoleon III. Frankreich wieder als Führungsmacht in Europa zu etablieren – zunächst mit großem Erfolg. Durch sein Engagement im Krimkrieg (1853-1856), der die Vormachtstellung Russlands beseitigte, führte er Frankreich nicht nur aus der außenpolitischen Isolation, sondern sogar zu einer neuen Machtposition in Europa: Auf dem Pariser Friedenskongress 1856 zur Beendigung des Krimkrieges fungierte er als Vermittler. Durch sein Eingreifen im Italienischen Krieg 1859 erwarb Frankreich Nizza und Savoyen. Die Kolonialpolitik war ebenso erfolgreich: Algerien wurde zur Kornkammer und zum französischen Siedlungsgebiet ausgebaut, der Senegal wurde erweitert, Syrien kam unter französischen Einfluss, und Indochina wurde annektiert. |
Nach 1860 jedoch war die französische Außenpolitik von Fehlschlägen geprägt: 1867 scheiterte der Versuch, in Mexiko ein Kaiserreich zu errichten, endgültig. Ebenso erfolglos verliefen Napoleons Versuche, unter Ausnutzung des preußisch-österreichischen Gegensatzes im Deutschen Bund Territorium in Belgien oder Luxemburg zu erwerben. Nach dem preußischen Sieg im Deutschen Krieg 1866 sah Napoleon zudem Frankreichs Großmachtposition durch den preußisch dominierten Norddeutschen Bund bedroht. |
Vor dem Hintergrund der außenpolitischen Misserfolge verschärfte sich in Frankreich wieder die Opposition und mehrten sich die Forderungen nach Reformen. Der Kaiser sah sich zu verschiedenen Zugeständnissen und schließlich zur Umwandlung seines Regimes in ein Empire libéral (liberales Kaisertum) gezwungen; nach dem Wahlsieg der Opposition 1869 berief er ein liberales Reformkabinett. Um sowohl im Inland wie im Ausland sein Ansehen zurückzugewinnen und vor allem auch, um seinen Großmachtanspruch zu verteidigen, ging Napoleon III. 1870 bewusst einen Krieg mit Preußen ein, den von Otto von Bismarck ebenso bewusst herbeigeführten Deutsch-Französischen Krieg. Bereits eineinhalb Monate nach Kriegsbeginn, am 1. September 1870, musste Napoleon mit seiner Armee nach der Schlacht von Sedan kapitulieren; am 2. September ging er in preußische Gefangenschaft. Das Zweite Kaiserreich war zusammengebrochen. "Frankreich" Microsoft® Encarta |
![]() |
Napoleon III |
![]() Benutzerdefinierte Suche
|