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Geschichte von Russland : Zwischen Napoleon und Heiliger Allianz
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In vielem das genaue Gegenbild seiner Mutter, setzte ihr Sohn und Nachfolger Paul I. Petrowitsch (1796-1801) doch die Expansionspolitik seiner Mutter fort; Ergebnis war die Besetzung Georgiens 1801. Außerdem beteiligte sich Russland auf der Seite der europäischen Monarchien (unter Einschluss des Osmanischen Reiches) in den Kriegen gegen das revolutionäre Frankreich. Dem kurzen Engagement im 2. Koalitionskrieg (1799-1801) folgte eine Phase der Neutralität.

Paul I. schränkte die Verfügungsgewalt der Gutsherrn über die Leibeigenen in einigen Punkten ein, indem er etwa die bäuerliche Pflichtarbeit auf drei Tage pro Woche begrenzte und die Sonntagsarbeit verbot. Auf der anderen Seite provozierte er mit seiner despotischen Herrschaft eine Verschwörung des Adels, die 1801 in einem Staatsstreich und der Ermordung Pauls kulminierte. Den Thron übernahm nun Katharinas Lieblingsenkel, Alexander I. Pawlowitsch.

Durchdrungen von den liberalen und rechtsstaatlichen Ansätzen Katharinas und ausgebildet von dem Schweizer Denker Frédéric César de La Harpe, stellte Alexander I. die Amnestie politischer Gefangener an den Beginn seiner Regierungszeit. Zudem machte er viele restriktive Maßnahmen seines Vaters rückgängig und plante sogar eine Verfassung für das Reich.

Seine Innenpolitik war am westlichen Vorbild orientiert und sollte Russland am staatspolitischen und kulturellen Fortschritt teilhaben lassen, ohne dass jedoch die kaiserliche Selbstherrschaft in Frage gestellt wurde. Ein höheres Maß an Effizienz versprachen die Einrichtung von acht Fachministerien (1802) und der streng hierarchische Aufbau der Exekutive mit einem dem Zaren verantwortlichen Minister an der Spitze (1811). Der Senat wurde zum Obersten Gerichtshof (1802/1810), und ein neu gebildeter Staatsrat beriet den Kaiser bei der Gesetzgebung. Bildungsreformen sollte größeren Bevölkerungskreisen den Schulbesuch (Elementar- und Oberschulen) ermöglichen; Dorpat, Wilna, Kasan, Charkow und Sankt Petersburg erhielten Universitäten.

Die Innenpolitik wurde jedoch bald nebensächlich, weil Alexander, getrieben von Geltungssucht und Sendungsbewusstsein, sein Reich in weitere Kriege führte und Russland schließlich zur stärksten Militärmacht Europas machte.

1805 verbündete sich Russland mit Großbritannien, Österreich und Schweden in der 3. Koalition gegen Napoleon I. Doch wurden die österreichisch-russischen Truppen in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 vernichtend geschlagen. Die erneute Niederlage des im 4. Koalitionskrieg mit Preußen verbündeten Russland in der Schlacht bei Friedland am 14. Juni 1807 veranlasste Alexander zur außenpolitischen Kehrtwende: Im Frieden von Tilsit trat er auf die Seite Napoleons, der ihm im Gegenzug freie Hand gegen Schweden und das Osmanische Reich ließ: Schweden musste nach einem kurzen Krieg (1808/09) Finnland und die Ålandinseln abtreten, und der 5. Russisch-Türkische Krieg (1806-1812) brachte Russland in den Besitz von Bessarabien. Auch gelang es Alexander durch seinen Krieg gegen Persien (1804-1813), den Einfluss Russlands in der Kaukasusregion auszuweiten.

Tschaikowsky
Tschaikowsky
Zwischenzeitlich hatten sich die Beziehungen zu Frankreich verschlechtert, weil Russland sich nicht weiter an der Kontinentalsperre gegen Großbritannien beteiligen wollte. 1812 marschierte Napoleons Grande Armée in Russland ein und besetzte am 14. September Moskau. Aber die Russen setzten die Stadt in Flammen und Alexander verweigerte das erwartete Friedensangebot, so dass die Truppen Napoleons schließlich zum Rückzug gezwungen waren.
Dieser endete in einer Katastrophe: Die Soldaten waren Hunger, Kälte und dauernden Partisanenangriffen ausgesetzt, die russische Taktik der „verbrannten Erde” hinterließ ein verwüstetes Durchzugsgebiet. An der Beresina löste sich die Grande Armée auf, Napoleon kehrte nach Paris zurück und unterlag schließlich den Alliierten der 5. Koalition in der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813). Der endgültige Sieg über Napoleon unter maßgeblicher Beteiligung Russlands machte Alexander zum „Befreier Europas” und zu einer zentralen Figur der Heiligen Allianz, die sich anschickte, Europa unter dem Zeichen der Restauration neu zu ordnen. Der Wiener Kongress (1814/15) brachte Russland den größten Teil des napoleonischen Herzogtums Warschau ein, das so genannte Kongresspolen, das als Königreich in Personalunion mit dem russischen Reich verbunden wurde. Das letzte Jahrzehnt von Alexanders Regierungszeit war von Rückschritt und Repression gekennzeichnet; zugleich drangen durch den zunehmenden intellektuellen Austausch mit dem Westen liberales Gedankengut in Kreise der Studentenschaft, der oberen Mittelschicht und der aufgeklärten jungen Adeligen vor. Sie empfanden Russland als despotischen Staat mit korrupter Bürokratie, wenig besorgt um die breite, weitestgehend rechtlose Masse, und begannen sich in geheimen politischen Gesellschaften zu organisieren. "Russland," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2009
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